Hintergrund Arm, krank, unwissend

Im Zweifel „Dr. Google“. Das soll sich ändern.
Im Zweifel „Dr. Google“. Das soll sich ändern. © Foto: Lukas Schulze/dpa
Berlin / Hajo Zenker 04.06.2018

Jeder zweite Deutsche hat Schwierigkeiten, für die eigene Gesundheit notwendige Informationen zu finden, zu bewerten und zu nutzen. „Besonderen Handlungsbedarf gibt es bei Menschen mit geringerem Bildungsniveau, Älteren, chronisch Kranken und Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt die Bielefelder Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Doris Schaeffer. Und Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) verweist darauf, dass es in den ärmeren Vierteln der Hansestadt 30 Prozent mehr Diabetes-Patienten gebe als in reichen Gegenden.

Auch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. Laut einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ist Diabetes im Osten ein größeres Problem als im Westen. In den neuen Ländern leiden 11,8 Prozent der Bürger an Diabetes, im Westen 9,2 Prozent. Während etwa in Baden-Württemberg 8,53 Prozent daran erkranken, sind es in Brandenburg 12,02 Prozent. Ein Nationales Gesundheitsportal soll Abhilfe schaffen helfen. Es soll zum zentralen deutschen Internetangebot für Informationen rund um Fragen zur Gesundheit zu werden. Und damit „Dr. Google“ Konkurrenz machen. Bisher nämlich starten 80 Prozent der Ratsuchenden im Internet bei Google und wählen unter den ersten zehn Treffern aus. Die aber sind nicht nach Seriosität geordnet.

Gesundheitsportal geplant

Derzeit erarbeitet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen deshalb im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ein Konzept. Die Arbeit daran läuft noch, wie das Ministerium mitteilt. Das Internetangebot soll „vertrauenswürdige, wissenschaftlich belegte und unabhängige Gesundheitsinformationen zusammenführen“ – und das auf eine möglichst verständliche Weise, um die besonderen Problem- und damit Zielgruppen auch tatsächlich zu erreichen.

Das Institut formuliert etwas verschämt, die Seite solle „im Hinblick auf Verständlichkeit auch für Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen an Breite und Tiefe der Inhalte geeignet und akzeptabel sein“. Wie das konkret aussehen soll, wird wohl Ende des Jahres bekanntgegeben.

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