Leitartikel Hajo Zenker zum Billionen-Dollar-Wert von Apple Apples Billionen-Wert sollte ein Weckruf sein

Hajo Zenker.
Hajo Zenker. © Foto: Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 04.08.2018

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist nicht nur ein Schlagwort. Das hat das Durchbrechen der Billionen-Grenze beim Apple-Börsenwert noch einmal unterstrichen. Denn im Ranking der weltweit wertvollsten Unternehmen stehen neben Apple Amazon, die Google-Mutter Alphabet, Microsoft und Facebook ganz oben – mittlerweile ergänzt  um die chinesischen Digitalriesen Alibaba und Tencent. Die meisten klassischen Industrien der alten Welt sind abgeschlagen. Die Autoindustrie, Deutschlands ganzer Stolz, rangiert unter ferner liefen.

Im Gegensatz zur im Jahr 2000 geplatzten Dotcom-Blase, wo Investoren plötzlich auffiel, dass die börsennotierten Internet-Geschäftsideen reihenweise nicht tragfähig waren, oder dem heutigen Geldvernichter Tesla, wo Investoren dem begnadeten Visionen-Verkäufer Elon Musk noch immer abnehmen, dass er mit Elektroautos letztlich in die schwarzen Zahlen fährt, stehen die Zeichen für die etablierten Digitalkonzerne weiter auf Erfolg. Und damit das Erreichen der Billionen-Grenze auch durch die ­Apple-Verfolger.

Das liegt einerseits daran, dass sich rund um das Internet heutzutage prächtig verdienen lässt. Wenn man es richtig anstellt. Apple hat im vergangenen Quartal unfassbare elfeinhalb Milliarden Dollar Gewinn eingefahren. Facebook kam auf fünf Milliarden, Alphabet auf drei Milliarden, Amazon auf zweieinhalb Milliarden. Aber auch die Chinesen streichen satte Überschüsse ein. Tencent, bekannt für Smartphone-Spiele und die Universal-App WeChat, machte einen Profit von fast vier Milliarden Dollar. Der Online-Marktplatz-Betreiber Alibaba kam auf gut eine Milliarde.

Und damit das so bleibt, wird das Geschäft auf immer mehr Bereiche ausgeweitet. Zwar ist Apple für die meisten Kunden vor allem der Konzern, der mit dem iPhone das Handy-Geschäft umgekrempelte. Längst aber hat der einst reine Computerhersteller diversifiziert, gerade wird an Technologien für selbstfahrende Autos und Datenbrillen genauso gearbeitet wie am Sammeln und Verwalten von Gesundheitsdaten. Google ist längst nicht mehr nur eine Suchmaschine, sondern investiert in selbstfahrende Autos, Robotik, Drohnen. Amazon veränderte das Kaufverhalten nachhaltig, bietet riesige Server-Farmen, einen Streamingdienst und forscht an künstlicher Intelligenz. Die Trends des Internetzeitalters werden weit weg von Europa gesetzt.

Kein Wunder, dass Apple so viel wert ist wie die 15 größten Dax-Unternehmen zusammen. Deutschland ist ein Land voller wunderbarer Produkte. Doch vieles wird durch die Digitalisierung auf den Kopf gestellt. Bei all dem, was heute schon und morgen noch viel mehr das Leben bestimmt, sind Amerikaner und mittlerweile Chinesen weit vorn: Selbst die erfolgsverwöhnten Autohersteller Daimler, VW und BMW hat die Angst erfasst, bei der Allmacht von Apple und Google unter die Räder zu kommen. Deshalb muss man schnell die richtigen Entscheidungen treffen. Und viel Geld in die Hand nehmen. Der Börsenjubel über Apple & Co sollte für Deutschland ein Weckruf sein.

 leitartikel@swp.de

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