Berlin AOK fordert Offensive für den ländlichen Raum

Gesundheitsminister Jens Spahn (links) operiert dem AOK-Verband zufolge zu kleinteilig.
Gesundheitsminister Jens Spahn (links) operiert dem AOK-Verband zufolge zu kleinteilig. © Foto: Christian Charisius/dpa POOL/dpa
Berlin / Hajo Zenker 31.08.2018

Der AOK-Bundesverband fordert „eine groß angelegte Versorgungsoffensive für den ländlichen Raum“. Zwar enthalte das von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz einige gute Ansatzpunkte, zum Beispiel Investitionskostenzuschüsse bei neuen Arztpraxen. „Realistisch betrachtet bleiben wir damit aber im Klein-Klein stecken, nachhaltige Verbesserungen werden ausbleiben“, warnte AOK-Vorstandschef Martin Litsch. Stattdessen solle gezielt in notwendige Strukturanpassungen investiert werden. Neben einer besseren Verzahnung von ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen gehörten dazu mobile Angebote wie Patientenbusse sowie der Ausbau der Fernbehandlung per Video­sprechstunde.

Generell seien die Gesetzesvorhaben teuer und würden dafür sorgen, dass die Finanzreserven der Krankenkassen von rund 20 Milliarden Euro schnell aufgebraucht sein dürften – „ohne aber Strukturen zu verändern“, beklagte der AOK-Chef. So gebe es noch immer viel zu viele Kliniken in Deutschland. Eine Konzentration würde der Qualität zugutekommen. Zudem könnte eine Reduzierung der Zahl der Krankenhäuser helfen, das vorhandene Pflegepersonal besser einzusetzen. „Der Minister hat das Glück, dass es derzeit volle Kassen gibt. Ist das Geld aber ohne kostensenkende Strukturveränderungen einmal ausgegeben, drohen wieder Spargesetze“, sagte Martin Litsch voraus.

Elektronische Patientenakte „absolut sinnvoll“

Dagegen steht der AOK-Vorstandschef voll hinter der Strategie von Spahn, eine elektronische Patientenakte einzuführen, auf die die Versicherten etwa vom Smartphone aus zugreifen können. Das sei absolut sinnvoll, weil damit etwa alle relevanten Befunde jederzeit zur Verfügung stünden. Er finde es gut, dass der Minister mit dem verbindlichen Ziel, dass die Kassen ihren Versicherten bis spätestens 2021 eine elektronische Akte anbieten müssen, Druck aufgebaut habe. Werde das Zieldatum eingehalten, reiche das aus, um den Patienten rechtzeitig ein heimisches Angebot zu machen – „bevor die Googles dieser Welt die Daten einsammeln“.

Verwundert allerdings zeigte sich Litsch über die scharfe Kritik  der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) an dem von der AOK gewählten technischen Weg hin zu einer elektronischen Patientenakte. Die AOK will medizinische Informationen und Dokumente dezentral speichern und durch einen Suchalgorithmus zusammenführen lassen, während etwa die Techniker Krankenkasse (TK) Daten zentral lagern will. Die KBV hatte das AOK-Modell als unsicher bezeichnet. Litsch zeigte sich überzeugt, hier zu einer Lösung zu kommen.

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