Terror Anschlag vor dem Parlament in London

London / Hendrik Bebber 15.08.2018
Erneut trifft es London: Ein Auto rast in eine Gruppe Radfahrer. Die Behörden prüfen einen terroristischen Hintergrund.

  Barry  Williams wurde  durch „laute Schreie“ aufmerksam. „Ich sah wie ein Auto auf der falschen Straßenseite durch eine Gruppe von Radfahrern raste, die vor einer Ampel warteten“, schildert der Mann, der für den britischen Sender BBC arbeitet, das dramatische Erlebnis. „Es schlingerte beim Beschleunigen und prallte dann mit voller Wucht gegen die Barriere. Der Aufprall war so stark, dass das Auto vom Boden abhob.“ Die Polizei prüft nun, ob der Vorfall im morgendlichen Berufsverkehr vor dem Parlamentsgebäude einen terroristischen Hintergrund hat.

Augenzeugen und Videoaufnahmen beweisen, dass die Sicherheitskräfte sofort eingriffen. Schwer bewaffnete Polizisten zerrten den Fahrer aus dem silbergrauen Kleinwagen, aus dem Wasserdampf und Rauch stieg. Der Mann, dessen Alter auf zwischen 20 und 30 Jahren geschätzt wird, ließ sich teilnahmslos Handschellen anlegen. Bei der Vernehmung soll er nach Polizeiangaben „unkooperativ“ gewesen sein und habe alle Angaben zu seiner Person und zu seinen Motiven verweigert.

Auch beim Personenabgleich in der Datenbank möglicher Terroristen ergab sich vorläufig nichts. Bei der Untersuchung des Autos wurden keine Waffen oder Sprengstoff entdeckt. Glücklicherweise kamen nur drei Personen zu Schaden. Eine Radfahrerin befindet sich noch wegen ihrer Verletzungen im Krankenhaus, doch diese sollen nicht lebensgefährlich sein.

Seitenhieb von Trump

Der Anschlag lähmte die Londoner Innenstadt. Das Gelände um das Parlament und die Westminster-Brücke wurden weiträumig abgesperrt, die Untersuchung des Tatorts dauerten bis zum späten Nachmittag. Premierministerin Theresa May lobte den „mutigen Einsatz“ und ordnete eine Sitzung des Krisenstabes der britischen Regierung an.

Anscheinend haben sich die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen im Parlaments- und Regierungsviertel seit 2017, dem Jahr, in dem Großbritannien von vier Anschlägen erschüttert wurde, bewährt. Seither ist das Parlament von Betonbarrieren und hohen Sicherheitszäunen umgeben und Einsatzkommandos der Polizei stehen rund um die Uhr dort in Bereitschaft. In Großbritannien herrscht die  zweithöchsten Gefahrenstufe, nach der ein Terrorangriff „höchst wahrscheinlich“ ist.

Der potenzielle Täterkreis wird auf rund 3000 Personen geschätzt und weitere 20.000 gelten als mögliche Sympathisanten der Terrorszene. US-Präsident Donald Trump, der den muslimischen Londoner Bürgermeister mehrmals krasses Versagen im Kampf gegen den Terror vorwarf, benutzte nun wieder die Gelegenheit für einen neuen Seitenhieb. „Schon wieder ein Terroranschlag in London,“ twitterte der Präsident, „diese Tiere sind wahnsinnig und man muss ihnen mit Härte und Stärke entgegentreten.“

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