Ulm / THOMAS BLOCK  Uhr
Der syrische Bürgerkrieg, die Kämpfe in der Ukraine, der Kurdenkonflikt in der Türkei – diese gewaltsamen Auseinandersetzungen beherrschen die Schlagzeilen. Viele andere bewaffnete Konflikte werden dabei kaum noch wahrgenommen. Das Heidelberger Institut für Konfliktforschung hat nun ein Konfliktbarometer herausgegeben, das alle Kriege auf der Welt beschreibt.
Konflikte dieser Welt auf einer Karte
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Was ist Krieg? Wie viele müssen sterben, wie viele kämpfen, wie viel Zerstörung muss ein Konflikt anrichten, damit er als Krieg gelten kann? Das Heidelberger Institut für Konfliktforschung hat versucht, eine nüchterne Antwort auf diese Fragen zu geben. Sie lautet: Ein Konflikt ist ein Krieg, wenn er mindestens drei von vier möglichen Punkten in einer eigens erstellten Konflikt-Matrix erreicht.

Einen Krieg, so sagt es diese Matrix, zeichnet der Einsatz von schweren Waffen und vielen Kämpfern sowie ein hohes Ausmaß an Zerstörung, Toten und Flüchtlingen aus. Hält man sich an diese Definition, dann gibt es 19 Kriege und 16 kriegsähnliche Konflikte auf der Welt. Insgesamt sprechen die Forscher von 409 Konflikten, von denen 223 mit Gewalt verbunden sind. Als gewaltsame Krise zählt das Institut etwa auch den Nord-Irland-Konflikt.

Viele der Kriege sind auch in der westlichen Wahrnehmung sehr präsent. Da ist der Bürgerkrieg in Syrien, der seit seinem Beginn im Jahr 2011 schätzungsweise 250.000 Menschenleben gekostet hat. Oder der neu aufflammende Konflikt zwischen der kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem türkischen Staat, der im vergangenen Jahr ein Ausmaß angenommen hat, das die Forscher von Krieg sprechen lässt. Oder die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und Armee im Osten der Ukraine.

Diese Konflikte sind präsent, weil sie nicht weit weg sind, weil der Westen in irgendeiner Form involviert ist und nicht zuletzt, weil die Folgen der Kriege in Europa spürbar sind. Es gibt aber auch Auseinandersetzungen, die weit weg sind und kaum noch wahrgenommen werden. Neun afrikanische Länder befinden sich im Krieg, drei in kriegsähnlichen Zuständen. Doch die Zerstörungswut in der Zentralafrikanischen Republik schafft es selten in die Schlagzeilen.

Neun von zehn Konflikten, so die Forscher, lassen sich auf ideologische Kämpfe zurückführen. Der Wunsch nach einer Abspaltung vom Mutterland schlug besonders häufig in Gewalt um, ebenso Konflikte, in denen es um die Verteilung von Ressourcen ging.

Was ist Krieg? Eigentlich immer, auch das zeigt der Bericht, sinnlos.