Artenschutz Aktionsplan soll das Insektensterben bremsen

Zitronenfalter auf einer Grasnelke: Der  Lebensraum der Tiere schrumpft.
Zitronenfalter auf einer Grasnelke: Der Lebensraum der Tiere schrumpft. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Berlin / Igor Steinle 11.10.2018

Insekten werden immer seltener. Ihre Rückzugsräume werden weniger, weil es kaum mehr wild wuchernde Wiesen gibt, genauso wie ihr Nahrungsangebot aufgrund des ausufernden Einsatzes von Pestiziden abnimmt. Die Folgen sind verheerend: 75 Prozent weniger Fluginsekten schwirren im Vergleich zu 1989 noch durch die Lüfte, gemessen an ihrer Masse. Im Kampf gegen diese Entwicklung will Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) künftig mehr Geld in die Hand nehmen – und die Regeln fürs Düngen und den Pestizideinsatz verschärfen.

Konkret schlägt Schulze in ihrem „Aktionsplan Insektenschutz“ vor, das Düngen von Ackerstreifen zu verbieten, die an wichtige Insektenlebensräume grenzen. In ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen will sie Pflanzenschutzmittel komplett verbieten. „Wenn wir Insektenschutz ernst meinen, müssen wir den Einsatz von Pestiziden aller Art deutlich verringern“, so Schulze. Zudem sollen Insektenschutz, Forschung und Monitoring zusätzlich mit 100 Millionen Euro im Jahr gefördert werden.

Kein Glyphosat-Ausstieg

Damit formuliert das Umweltministerium manche Forderung zwar schärfer als in einem bereits beschlossenen Eckpunktepapier. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat soll nur noch zum Einsatz kommen, „wo und soweit dies absolut nicht anders geht“. Ein Datum für einen Ausstieg von dem umstrittenen Mittel wird jedoch nicht genannt. Stattdessen ist eine Art Sachkundetest als Voraussetzung für den Kauf von Pflanzenschutzmitteln aller Art vorgesehen.

Umweltverbände begrüßen die Vorschläge. Besonders gefragt im Kampf gegen das Insektensterben ist nun jedoch eine andere Ministerin. Vor allem auf Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) kommt es an, Schulzes Plan zu unterstützen. Ohne ihre Zustimmung bleibe das Paket „in weiten Teilen heiße Luft“, sagt etwa Grünen-Agrarexperte Harald Ebner. Klöckner ließ mitteilen, man sehe „keinerlei Widerspruch“ beim Insektenschutz. Das müsste sie jedoch auf einer anderen Ebene beweisen. Denn entscheidend ist nach Ansicht vieler Experten die Agrar-Förderpolitik der EU.

„Mit ihrer Subventionspolitik zerstört die EU die Lebensräume von Insekten. Grünland wird zu intensiv genutzt, Brachflächen sind kaum noch zu finden, Hecken, feuchte Stellen und blütenreiche Wegsäume sucht man vielerorts vergebens“, kritisiert Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Die Bundesregierung sei gefordert, in Brüssel einen Kurswechsel zu erreichen. Für Landwirte müsse es sich dann lohnen, Lebensräume von Insekten zu erhalten – etwa mit einem Naturschutzfond. Derzeit laufen in Brüssel Verhandlungen über die nächste Förderperiode. Doch Klöckner wolle „allem Anschein nach auch über 2021 hinaus am derzeitigen, umweltschädlichen System festhalten“, so Tschimpke.

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