Afrika Afrikanische Regierungen müssen Flucht-Ursachen bekämpfen

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Wolfgang Drechsler 01.12.2017

Europa und Deutschland haben mit der Ankunft von rund 1,5 Millionen Flüchtlingen seit 2015 nur den Anfang einer Bewegung gesehen, die enorme demographische  und sozioökonomische Folgen haben wird. Der  EU-Afrika-Gipfel in der Elfenbeinküste hat deshalb auch nur ein Ziel gehabt: wie schafft es Europa, den drohenden Ansturm auf seinen Wohlstand zu kontrollieren?

Viel Aussicht auf Erfolg haben die bisher gemachten Vorschläge zur Bekämpfung der Fluchtursachen schon deshalb nicht, weil die Probleme dafür viel zu tief liegen – und nur über einen weit längeren Zeitraum gelöst werden können. Zudem spielt der Exodus vor allem junger Menschen Afrikas Regierungen in die Hände, weil er den sozialen Druck mindert, den die weit verbreitete Perspektivlosigkeit auf dem Kontinent erzeugt hat.

Notwendig ist ein nüchterner Blick auf den Hauptgrund der Migrationswelle. Diese ist weniger dem Klimawandel oder Kriegen geschuldet, sondern einer extrem hohen Arbeitslosigkeit, die vor allem auf der Bevölkerungsexplosion gründet. Bis 2050, also in nur einer Generation, wird sich die Bevölkerung Afrikas auf rund 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln – mehr als die Hälfte davon unter 20 Jahre alt. Allein für sie werden in einem Kontinent ohne Industrie und Institutionen fast 20 Millionen neue Arbeitsplätze pro Jahr gebraucht.

Doch den meisten Regierungen in Afrika ist das Thema egal. In Ostafrika verdoppelt sich die Bevölkerung alle 20 Jahren, weil fast kein Staatschef Verantwortung übernimmt. Dabei werden ohne eine Begrenzung der Bevölkerungszahl alle Bemühungen um eine Verbesserung der Lage erfolglos verpuffen.