Parteitag AfD in Augsburg: Polizei rüstet sich für Krawalle

Rund 2000 Polizisten sollen den AfD-Bundesparteitag in Augsburg schützen.
Rund 2000 Polizisten sollen den AfD-Bundesparteitag in Augsburg schützen. © Foto: Philipp von Ditfurth
Augsburg / Thomas Block 29.06.2018
Zum Parteitag der AfD am Wochenende in Augsburg haben sich Gegner und Befürworter angekündigt. Die Polizei stellt sich auf den größten Einsatz in der Geschichte der Stadt ein.

Wenn man es ganz genau nimmt, ist es eigentlich schon das zweite Mal, dass eine AfD-Veranstaltung das sonst so friedliche Augsburg in Aufruhr versetzt. Vor anderthalb Jahren, im Dezember 2016, hatte die damalige Parteichefin Frauke Petry zum Neujahrsempfang ins Augsburger Rathaus geladen. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) erteilte Petry damals Hausverbot, in der Friedensstadt Augsburg sei kein Platz für „eine Botschafterin des Unfriedens“.

Für einen CSU-Politiker ist das schon ein ziemliches Ding. Vor allem, weil Petry vor das Verwaltungsgericht zog und dort Recht bekam. Als sie triumphierend ihren Neujahrsempfang vor 250 Menschen abhielt, versammelten sich vor dem Rathaus 2000 Menschen und demonstrierten dagegen. Für das friedliche, wohlstandsverwöhnte Augsburg ist das sehr viel.

Dimensionen, die man in der Stadt bisher nicht kannte

Nun will man noch einen drauflegen. Am Wochenende hält die AfD ihren Parteitag auf dem Augsburger Messegelände ab. 600 Delegierte werden auf der Veranstaltung erwartet (darunter natürlich auch die aktuellen Parteichefs), dazu 500 Gäste und 300 Journalisten. Wie groß die Gegendemonstrationen werden, kann die Polizei zwar noch nicht genau sagen, aber eines weiß sie schon sicher: Für sie wird es der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Augsburgs. 2000 Polizisten sind aus ganz Deutschland angereist, das sind Dimensionen, die man so in der Stadt noch nicht kannte.

Dabei gehen eigentlich alle Seiten davon aus, dass es am Wochenende friedlich bleiben wird. Zwar kursierte vor einigen Wochen ein Reiseführer mit dem Titel „Augsburg für Krawalltouristen“ im Internet, daneben der „Aufruf zum Krawall“. In der AfD prognostizierte man, dass Linksautonome die Stadt ins Chaos stürzen werden. Doch die Polizei kommt offenbar zu einer anderen Einschätzung. Man habe den Reiseführer zur Kenntnis genommen, man nehme die Sorgen ernst, doch man gehe trotzdem nicht davon aus, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen wird, heißt es bei der Polizei.

Und auch die Organisatoren der Demonstration „AfD stoppen“ rechnen mit einem friedlichen Ablauf. „Wir haben bunte und friedliche Proteste geplant“, sagt Stefan Jagel vom Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“. Wie viele kommen werden, kann auch Jagel nicht abschätzen, das Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien und Vereinen habe mal 2500 Teilnehmer angemeldet. „Wir hoffen, dass es viele werden.“ Die Augsburger Abgeordnete und Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth (Grüne) und Juso-Chef Kevin Kühnert werden reden, der Protestzug wird friedlich die vier Kilometer vom Messegelände zum Rathaus laufen.

In sicherer Entfernung, am Königsplatz, wird die islamfeindliche Pegida-Bewegung einen Stand aufbauen, der allerdings wohl nicht so gut besucht werden wird. Die Polizei geht jedenfalls von einer zweistelligen Anzahl von Demonstranten aus.

AfD-Wähler in Augsburg

Zum vollständigen Bild gehört allerdings auch, dass die AfD gute Gründe hat, ihren Parteitag in Augsburg abzuhalten. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr erhielt die Partei hier immerhin 13,8 Prozent der Zweitstimmen, das sind 1,2 Prozentpunkte mehr als das Bundesergebnis. Und auch für die bayerischen Landtagswahlen im Oktober rechnet sich die Partei gute Chancen aus. Aktuelle Umfragen sehen sie bei 14 Prozent.

„Die Anspannung steigt von Tag zu Tag“, sagt Stefan Jagel. Für die Polizei ist es der größte Einsatz in der Geschichte der Stadt, und für Jagel und seine Verbündeten ist es die größte Demonstration, die sie jemals organisiert haben. Sie alle hoffen nun eines: Dass die kommenden Tage keine Tage des Unfriedens werden.

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