Bayern-Wahl AfD drischt auf CSU ein

Bad Aibling / Patrick Guyton 02.10.2018

Andreas Winhart, AfD­Kandidat für den bayerischen Landtag, will einen „Mief über ganz Bayern“ wahrnehmen. Vor 250 Besuchern einer Parteiveranstaltung in Bad Aibling ruft der 35-Jährige ins Mikrofon: „Das ist der Angstschweiß der CSU.“ Großer Beifall im Veranstaltungszentrum „Gmoahof“ in der oberbayerischen Stadt. Die rechtspopulistische „Alternative für Deutschland“ zieht im Wahlkampf gerade durch den ganzen Freistaat. Vor allem geht es darum, bei der Landtagswahl am 14. Oktober den Christsozialen möglichst viele Stimmen abzunehmen.

Hauptrednerin ist Alice Weidel, die mit Alexander Gauland der AfD-Bundestagsfraktion vorsteht. Frau Weidel verspätet sich mehr als eineinhalb Stunden, sie steckt im Stau. So sind es die örtlichen Politiker, die erst einmal für Stimmung sorgen wollen in dem Saal mit bayerisch-rustikalem Ambiente. 100 Interessierte müssen vor der Tür bleiben, sie passen nicht mehr rein. Vor ihnen stehen hinter Polizeiabsperrgittern mehrere Dutzend Demonstranten, die rufen: „Keine Bühne für die AfD.“

Bei zwölf Prozent liegt die Partei laut der jüngsten Umfrage, die Tendenz zeigt leicht nach unten. Und doch wird ihr Ergebnis, davon geht jeder aus, die CSU die absolute Mehrheit kosten. Kandidat Winhart, der im Landtag als Gesundheitspolitiker arbeiten möchte, gibt ein paar Sprüche zum besten: Man solle in der Flüchtlingspolitik „die ganzen Rettungsboote im Mittelmeer versenken“. Wer Pflegekräfte von „albanisch-kosovarischen Gruppen“ beschäftige, dem werde „daheim die Bude ausgeräumt“. Rassistisch zeigt er sich, wenn er über angeblich von Flüchtlingen verbreitete Krankheiten spricht. Die wolle er nicht bekommen, „wenn mich ein Neger in der Nachbarschaft anhustet“.  

Das Publikum ist breit gemischt – junge und alte Leute sind da, der Kleidungsstil reicht von ausgefranst über Sakko und Kleid bis zur Tracht. Als Alice Weidel dann da ist, haut sie nicht weniger rein als die Vorredner. „Auch in Bayern messern und vergewaltigen illegale Einwanderer“, ruft sie. Als sie über die anderen Parteien redet, schreit jemand dazwischen: „Das sind Volksverräter“. Weidel spricht vom „Abzocktourismus“ der Flüchtlinge.

Der AfD geht es weiterhin fast nur um Zuwanderer. Ihr gängigster Spruch in Bayern lautet: „Die AfD hält, was die CSU verspricht.“ Alice Weidel weiß, dass ihre Partei kaum Stimmen aus dem grünen, linken und dem gemäßigt-bürgerlichen Lager holen wird. Also drischt auch sie auf die CSU ein. Den Parteivorsitzenden und Bundesinnenminister Horst Seehofer beschimpft sie als „Bettvorleger von Merkel“, über Berlin sagt sie: „Das Land wird von Idioten regiert.“ All das kommt gut an, auch ihr Aufruf, die AfD zu wählen, „um diesen Krampf zu beenden“. Eine Abgrenzung gegenüber Pegida, Rechtsradikalen oder gewaltbereiten Hooligans findet nicht statt.

Es gibt sieben Listenführer

Intern ist die Bayern-AfD zerstrittener als jede andere Partei, die für den Landtag kandidiert. Es gibt keinen Spitzenkandidaten, sondern lediglich die Listenführer in den sieben Regierungsbezirken. Mit Befremden wurde registriert, dass bei BR-Diskussionsrunden niemand von der AfD teilnahm, der für den Landtag kandidiert, sondern immer der Landeschef Martin Sichert, der aber im Bundestag sitzt. Mit der Nummer eins der Oberbayern-Liste liegen Teile der Partei über Kreuz: Franz Bergmüller, 53, Gastronom, ist eine schillernde Person und bekannt als Vorsitzender des „Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur“. Die AfD wollte ihn ausschließen, vor Gericht bekam er aber Recht. Der Streit geht nicht um Politik, sondern um die lukrativen Posten in der künftigen Fraktion. Parteiintern wird Bergmüller vorgeworfen, er sei „cholerisch, nicht zugänglich“ und wolle „mit dem Kopf durch die Wand“. Er wird nach dem Fraktionsvorsitz greifen, das wollen andere verhindern. Sie versuchen, die niederbayerische Listenführerin Katrin Ebner-Steiner als Kandidatin aufzubauen.

Aufstieg der AfD
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