Kommentar Michael Gabel zur Debatte um leichter lesbare Beipackzettel Änderung mit Nebenwirkungen

Michael Gabel, Autorenfoto
Michael Gabel, Autorenfoto © Foto: Thomas Koehler/photothek.net Tho
Berlin / Michael Gabel 16.04.2018

Übelkeit, Blutungen, Juckreiz – wer die Liste der möglichen Nebenwirkungen zum Beispiel eines x-beliebigen Schmerzmittels studiert, dem kommen schnell Zweifel, ob er das Medikament überhaupt einnehmen soll. Es ist die Überfülle an Informationen, die viele Patienten ratlos macht. Oft sind die Beipackzettel drei Seiten lang oder mehr. Wichtiges wie die Dosierung findet sich dort gleichrangig neben kaum Relevantem. Man liest und liest. Und das Kopfweh, gegen das das Mittel vielleicht helfen sollte, nimmt eher noch zu.

Dabei haben Beipackzettel eigentlich eine wichtige Funktion: Sie informieren etwa über Inhaltsstoffe und Risiken, weisen zudem auf Unverträglichkeiten hin. Damit die Angaben aber für Patienten wirklich von Nutzen sind, müssen sie, wie von der Bundesärztekammer gefordert, künftig klarer und knapper zusammengefasst werden. Ein guter Weg wäre es, die wesentlichen Informationen in einer „Faktenbox“ zu präsentieren. Patienten ohne Vorerkrankungen könnten sich dort schnell einen Überblick verschaffen. Für Spezialfälle gäbe es einen Anhang – den die anderen getrost ignorieren dürfen.

Nur eines wird nicht möglich sein: Dass deutsche Pharmaunternehmen nach dem Vorbild der US-Firmen zu ihren Medikamenten ein paar dürre Fakten aufschreiben und den Rest an Aufklärung den Ärzten oder Apothekern überlassen. Denn nach hiesigem Recht müssen die Angaben auf den Beipackzetteln vollständig sein. Die Firmen haben dadurch einen großen Vorteil: Im Fall von Klagen können sie darauf hinweisen, dass sie Probleme nicht verschwiegen haben. Nur darf der Vorteil der Unternehmen nicht der Nachteil der Patienten sein.