Ägypten Ägyptische Präsidentenwahl: Konkurrenz für Fattah al- Sisi

Kairo / Martin Gehlen 23.12.2017

Oberst Ahmed Konsowa dürfte es bereuen, dass er am 29. November mit einem 22-minütigen Facebook-Video seine Kandidatur für die Präsidentenwahl in Ägypten bekanntgab. Drei Tage später wurde er verhaftet. Jetzt verurteilte ihn ein Gericht wegen „schädlichen Verhaltens gegenüber der militärischen Ordnung“ zu sechs Jahren Haft. Konsowa war in Uniform vor die Kamera getreten und hatte es zudem gewagt, zu fordern, Ägypten müsse endlich Menschenrechtsstandards und die Herrschaft des Rechts respektieren – ohne allerdings Präsident Abdel Fattah al-Sisi beim Namen zu nennen.

Denn im Frühjahr 2018 muss sich der Ex-Feldmarschall erneut zur Wahl stellen. Und weit gefährlicher als der unglückliche Oberst könnte Sisi diesmal ein anderer Ex-General werden, Ahmed Shafiq. Der frühere Premierminister unter Hosni Mubarak verlor 2012 bei der einzigen freien Präsidentenwahl Ägyptens knapp gegen den Muslimbruder Mohammed Mursi. Der 76-Jährige, der nach seiner Niederlage in die Vereinigten Arabischen Emirate umzog, gab seine Kandidatur ebenfalls am 29. November bekannt und forderte „ein ziviles, demokratisches Ägypten, in dem die Menschenrechte und die Pflicht zur Rechenschaft gelten“. Keine 48 Stunden später setzten ihn die Emiratis, die das Sisi-Regime zusammen mit Saudi-Arabien mit Milliarden finanzieren, in ein Flugzeug und verfrachteten ihn gegen seinen Willen nach Kairo. Dort nahmen ihn hohe Geheimdienstoffiziere in Empfang und stellten ihn im JW Marriott Hotel unter Hausarrest.

Dort wird der Kandidat offenbar hinter verschlossenen Türen bearbeitet, von seinen politischen Plänen abzulassen. Um den Druck zu erhöhen, ließ Sisi in den vergangenen Tagen drei der engsten Wahlkampfmanager von 2012 wegen „Verbreitung falscher Informationen“ verhaften. „Die Lage ist ernst“, twitterte der Verschwundene und forderte seine Gegner auf, die Gründe für diese Verhaftung offenzulegen.

Mit Ahmed Shafiq stünde Amts­inhaber Sisi, anders als 2014 der blasse Nasserist Hamdeen Sabahi, ein ernsthafter Konkurrent gegenüber. Shafiq dürfte im Militär vor allem jüngere Offiziere hinter sich haben. Und bei den Ägyptern wächst die Hoffnung, bei einem solchen Duell erstmals seit Jahren wieder den Mund aufmachen zu können. Zudem hat Shafiq den Ruf, ein effektiver Manager zu sein und mehr Augenmaß im Umgang mit Andersdenkenden zu haben.

Im Unterschied zu 2014 hat sich Ägyptens Misere zugespitzt. Die Inflation galoppiert, die Zahl der Armen steigt. Noch nie wurden Andersdenkende so erbarmungslos unterdrückt. Vor allem die Mittelklasse verliert mehr und mehr an Boden.

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