Kriminalität Abwehrkampf gegen Drohnen

Zwei Drohnen dringen im Rahmen einer Vorführung in ein Firmengelände ein. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) informiert über Gefahren, die von den Flugobjekten ausgehen.
Zwei Drohnen dringen im Rahmen einer Vorführung in ein Firmengelände ein. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) informiert über Gefahren, die von den Flugobjekten ausgehen. © Foto: Andreas Arnold/dpa
Berlin / Dorothee Torebko 17.05.2018
Immer mehr fliegende Hightech-Geräte surren durch die Luft. Nicht jeder, der sie einsetzt, hat damit Harmloses im Sinn.

Gift – das Wort prangt auf der Plastikflasche, die eine Drohne in ihren Greifarmen transportiert. Wenige hundert Meter entfernt steht ein Mann mit einer Fernbedienung. Er lenkt das Gerät über Tanks, die tausende Menschen mit Wasser versorgen. Er fordert: „Wenn mir die Regierung nicht Millionen Euro überweist, vergifte ich diese Menschen.“ Was wie ein James-Bond-Films anmutet, ist vor kurzem passiert. In welcher europäischen Stadt das war, darf die Sicherheitsfirma, die die Drohne abwehrte, nicht sagen. Doch sie betont: Es ist kein Einzelfall.

Der Missbrauch der Fluggeräte ist mannigfaltig – doch nicht immer haben sie einen kriminellen Hintergrund. Erst vor drei Tagen überraschte eine Drohne einen Flugzeugpiloten beim Anflug auf den Airport Berlin-Tegel. 88 Drohnen wurden laut Deutscher Flugsicherung 2017 im Flughafenumland gesehen, zwei Jahre zuvor behinderten 14 den Betrieb. Auch die Zahl der Drohnen steigt. Waren es 2016 noch 400.000, so rechnet die Flugsicherung bis 2020 mit einer Million. Die Politik hat reagiert und vor einem Jahr eine Kennzeichnungspflicht und einen Führerschein für Drohnen ab zwei Kilo eingeführt. Doch dämmt das die Bedrohung aus der Luft tatsächlich ein?

„Wir begrüßen, dass der Gesetzgeber aktiv geworden ist“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Flugsicherung Klaus-Dieter Scheurle. „Doch sinnvoller als eine Kennzeichnung für Drohnen ist eine Registrierung. Sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Einhaltung der Sicherheit.“ Derzeit müssen Besitzer ihre Drohnen mit einem Alu-Aufkleber mit Adressgravur bestücken. Wichtig ist, dass die Plakette feuerfest und mit der Drohne verbunden ist. Ob die Adresse zum Besitzer gehört, wird nicht kontrolliert. So können immer wieder Situationen entstehen, wo Drohnen im Flughafenumfeld gefunden werden, nicht aber die Besitzer.

Das könnte sich bald ändern. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) arbeitet an einem Konzept, wonach bis 2019 alle Drohnen und deren Betreiber registriert und elektronisch identifiziert werden müssen. Wann genau die neue Regelung eingeführt wird, ist noch unklar, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium.

Polizeihauptkommissar Frank Gutfleisch begrüßt, wenn „der Gesetzgeber an weiterführenden Maßnahmen arbeitet“. Denn: „Je mehr Informationen wir haben, umso einfacher ist die Recherche.“ Er ist in der Koordinierungsstelle in Göppingen beschäftigt, der alle Vorfälle mit Drohnen in Deutschland gemeldet werden. Die Zuordnung wird wichtiger, da es immer mehr Vorkommnisse mit Drohnen gibt. 2016 waren es in Baden-Württemberg 413 Situationen, in denen die Polizei ausrückte. Ein Jahr später waren es 571 Fälle. Die meisten Rechtsverstöße betreffen das Überfliegen von Wohnungsgrundstücken. Sind also harmlos. Aber es geht auch anders.

Mit einem ganz anderen Schlag von Piloten hat es Jörg Lamprecht zu tun. Er setzt sich mit Dieben, Terroristen und Spionen auseinander. Zusammen mit Inga Seebach und Rene Seeber 2015 hat er das Start-up Dedrone gegründet. Das Trio konzipierte ein Abwehrsystem, den Drone-Tracker. Mittlerweile ist das Kasseler Start-Up zum Marktführer aufgestiegen und schützt Unternehmen vor Industriespionage, Königsfamilien vor neugierigen Aufnahmen ebenso wie Gefängnisse davor, dass Piloten Insassen mit Waffen versorgen.

„Wir können auch die Piloten ausfindig machen. Das ist entscheidend“, sagt Lamprecht. Eine Software erkennt in ein bis zwei Kilometern Entfernung die anfliegenden Drohnen. Das funktioniert mit einer Mischung aus Mikrofonen, Radiofrequenzsendern und Kameras. Sobald der Pilot seine Fernbedienung anschaltet, wird sie vom System geortet und ein Sicherheitsmann erhält eine Nachricht auf sein Handy, wo sich der Pilot aufhalten könnte. Er kann ausrücken – oder die Polizei rufen. Mehr geht nicht. Zerstören ist nicht erlaubt.

Doch nicht alle Grundstückbesitzer können sich das System leisten. Die Kosten betragen 7000 bis zu einer Million Euro. Die Deutsche Flugsicherung arbeitet mit der Telekom an der Ortung von Drohnen via Mobilfunknetz. Schon die Registrierungspflicht könnte nützlich sein. Denn: „Die größere Verbreitung von Drohnen führt zu mehr illegalem Handeln“, sagt Polizist Gutfleisch. Da müsse der Staat eingreifen.