Stuttgart A8-Planung: Albaufstieg wird ausgebaut

Stuttgart / ANDREAS BÖHME UND DPA 02.07.2014
Endlich ein glückliches Ende? Der Bund will die Planungen für den Ausbau des Albaufstiegs auf der A8 weiterführen. Offen bleibt die Finanzierung.

Nach neun Jahren lässt der Bund das Genehmigungsverfahren für den Albaufstieg auf der Autobahn 8 wiederaufleben. Die frühere Entscheidung, die Planfeststellung ruhen zu lassen, werde zurückgenommen, erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gestern in Stuttgart. Für das etwa 500 Millionen Euro teure Projekt, das die geteilten Trassen ersetzen soll, sei das ein "Sprung nach vorne". Für die Beseitigung der längjährigen "Problemzone" auf der Ost-West-Achse habe das Land eindringlich bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) geworben.

Die geplante 8,3 Kilometer lange Strecke ist für 73.500 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt. Da sie aus zwei Tunneln und zwei Brücken besteht, rechnet der Minister nicht mit starken Bürgerprotesten.

Das Bundesverkehrsministerium hatte im Jahr 2005 das Planfeststellungsverfahren kurz vor dem Abschluss gestoppt - weil die Finanzierung unklar war. Die Trasse sollte im sogenannten F-Modell von einer privaten Betreiberfirma gebaut werden, die dafür von allen Autofahrern auf der Strecke Maut kassieren sollte. Zwei solcher "F-Modelle" gibt es in Deutschland, in Travemünde und in Rostock - und beide gelten als gescheitert.

Das Regierungspräsidium wird dennoch auf die alte Planung mitsamt Mautstellen aufsetzen. Realisiert wird sie laut Hermann aber nicht. Rund zwei bis zweieinhalb Jahre dauern die Vorbereitungen, unter anderem wegen des Naturschutzes. Ab 2018 könnte gebaut werden, sagt Hermann - auch wenn die Finanzierung noch nicht geklärt ist. "Wir hoffen auf den Bund, dass er dann die Mittel zur Verfügung stellt." Der neue Albaufstieg wäre Teil der Sanierung der A8 zwischen Karlsruhe und Ulm mit einem Ausbau auf durchgängig sechs Fahrstreifen, die voraussichtlich 2025 zu Ende gehen werde.

Die bisherige teils auf Stelzen errichtete Straße sei in die Jahre gekommen, weiterer Aufschub berge Gefahren. "Wenn wir noch länger zuwarten, werden Sanierungskosten fällig, die die Sache doppelt teuer machen", fügte Hermann hinzu. Auf Wunsch des Bundes wird die bisherige Trasse noch in die Planungen einbezogen - etwa als Überlaufstrecke oder als Ausweichmöglichkeit im Gefahrenfall.
 

Ein Kommentar von Andreas Böhme: Höchste Eisenbahn

Autofahrer, die Anfang der 70er Jahre auf der A8 im Fahrschulauto saßen, fragten sich schon damals, ob sie einen Ausbau der Strecke zwischen Karlsruhe und Ulm noch erleben würden. Heute kann man sagen: Ja, es reicht. Aber es wird knapp.

Die südlichste durchgehende Ost-West-Autobahn der Republik stammt noch aus der Nazizeit, und über Jahrzehnte hatte sich am Ausbaustandard, zugeschnitten auf das Tempo des VW-Käfers, nichts geändert. Mittlerweile gibt es Begradigungen, sechs Spuren, Lärmschutzwände und Flüsterasphalt auf Teilabschnitten, aber eben immer auch noch die rund 80 Jahre alten Nadelöhre an der Enz und auf die Alb. Passiert hier ein Unglück, folgt der Verkehrsinfarkt. Jeder, der dies selbst erlebt, versteht Anlieger wie in Gruibingen, wenn sie zornig werden angesichts der Jahrzehnte währenden Weigerung der Verkehrspolitik, die A8 auszubauen.

Schön, dass der Bund das nun begriffen hat und die großen Achsen ertüchtigt, seien es Fernstraßen oder Neubaustrecken der Bahn. Wer von der Landeshauptstadt derzeit nach Ulm will, hat die Wahl zwischen einer notorisch verstopften Auto- oder der im ICE-Zeitalter nostalgisch anmutenden Bimmelbahn. Beides ist der Wirtschaftskraft und den Ansprüchen an die Mobilität im Südwesten nicht angemessen. Es gibt die Hoffnung, dass mit dem Albaufstieg und Stuttgart 21 alles gut wird. Aber es bleibt angesichts der ungeklärten Finanzierung auch Skepsis.

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