Interview Britta Schellenberg: Rechte sind „vernetzt und vertraut“

Britta Schellenberg.
Britta Schellenberg. © Foto: Privat
Berlin / Christopher Braemer 05.09.2018

Wie rechts ist die Gesellschaft? Britta Schellenberg, Rechtsextremismusforscherin am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft in München, sagt: Deutschland wird insgesamt weltoffener.

Der Verfassungsschutz beobachtet die AfD-Jugend in Bremen und Niedersachsen. Zu Recht?

Britta Schellenberg: Zahlreiche Äußerungen und Aktivitäten von AfD-Kandidaten sind hochproblematisch. Es muss genau geprüft werden, ob einzelne Personen, Gruppierungen oder die gesamte Partei beobachtet werden sollten. Überraschend sind die widersprüchlichen Einordnungen in den einzelnen Bundesländern: Während etwa Pegida für den Sächsischen Verfassungsschutz nicht als beobachtungswürdig erscheint, werden weniger gewalttätige -gida-Erscheinungen in anderen Bundesländern beobachtet.

Wie kann das geändert werden?

Ich plädiere für Absprachen auf Bundesebene, Parlamente und Experten müssen miteinbezogen werden.  Dass das nötig ist, zeigt die Aufarbeitung der rassistischen Terrorserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“.

Gibt es einen Rechtsruck in der Gesellschaft?

Dass sich das so anfühlt, liegt daran, dass sich die gewaltbereiten Rechtsextremen stärker in die Öffentlichkeit trauen – jedoch ist nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft gewaltbereit. Insgesamt wird die deutsche Gesellschaft tatsächlich weltoffener. Das haben auch die 65 000 Besucher am Montagabend in Chemnitz gezeigt.

Wie hat sich die rechte Szene in den letzten Jahren entwickelt?

Das gescheiterte NPD-Verbotsverfahren hat zu einer weiteren Zersplitterung der Rechtsradikalen  geführt. Der Dritte Weg, die Identitären, die Rechte und auch Teile der AfD zeigen, dass sich die Rechtsradikalen neu aufstellen und das vielschichtiger und besser vernetzt. Die Untergruppen fühlen sich mitverbunden, das haben wir gerade in Chemnitz gesehen, die Wortführer kennen sich und sind vertraut miteinander.

Wer liefert die Ideen für die gegenwärtigen Gruppierungen?

Die rechtsradikalen Impulse kommen von den genannten Gruppierungen und gut vernetzten Einzelpersonen, etwa aus der Philosophie oder von rechtsradikalen Medien wie der Jungen Freiheit oder der Online-Plattform Political Incorrect. Beispiele dafür sind Götz Kubitschek in Sachsen, ein altbackener Rechtsradikaler, der hervorragend vernetzt ist. Oder der AfD-Philosoph Mark Jongen, der im Bundestag sehr aktiv ist.

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