"Sehr gutes Essen ist relativ"

VT 10.10.2015
Ernährungswissenschaftler Uwe Knop hat den Begriff "kulinarische Körperintelligenz" geprägt: Essen, auf was man Lust hat.Auch auf Sterne-Essen?

Gibt es Lust auf sehr gutes Essen?
UWE KNOP: Wenn der Hunger groß genug ist, schmeckt einem alles. Die Frage ist, in welchem Zustand man sich befindet. Von daher kann einem der Körper auch mitteilen, ich hätte gerne Sterne-Restaurant-Kost, wenn man das schätzt.

Warum gibt es überhaupt Vorlieben beim Essen?
KNOP: Jeder Mensch isst anders. Deshalb gibt's auch keine gesunde Ernährung für alle. Jeder muss für sich selbst über die kulinarische Körperintelligenz, über Hunger und über Lust herausfinden, was einem schmeckt, was einem bekommt und ein gutes Gefühl beim Essen gibt. Generell essen die meisten Menschen ganz ausgewogen. Aber die Schwerpunkte sind individuell. Ob jemand beispielsweise gerne scharf isst oder nicht, kann einem niemand erklären, das ist eine ganz persönliche Sache. Wichtig ist, dass man es selbst erkennt und nicht etwas isst, was irgendwer gesund nennt.

Warum isst der Mensch nicht einfach irgendetwas, um satt zu sein?
KNOP: Das erklärt sich mit unserem Wohlstand und mit unserem Fortschritt. Der menschliche Körper schöpft gerne aus der Vielfalt.

Was ist sehr gutes Essen?
KNOP: Sehr gutes Essen ist relativ. Essen ist nicht irgendein Hobby oder ein Spaß. Der Körper bestimmt in erster Linie, wie gut oder wie schlecht es ist. Wer mit sehr viel Hunger isst, dem schmeckt vermutlich eine Currywurst mit Pommes wesentlich besser als eine kleine Portion von einem Sterne-Koch. Weil es einfach nicht genug ist und vielleicht nicht so energiereich.

Spontan Essengehen geht in Sterne-Restaurants oft nicht. Sollte man dennoch einen Besuch drei Monate im voraus einplanen?
KNOP: Das ist eine gute Idee für diejenigen, die das nötige Kleingeld haben. Neues auszuprobieren ist sehr wichtig, um die kulinarische Körperintelligenz zu erweitern. Immer wieder Sachen zu probieren, die man nicht kennt. Da kann eine Sterne-Küche dazu gehören.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel