Ulm "Schavans nächster Schritt ist der Rücktritt"

PETER BUYER 06.02.2013
Als Wissenschaftsministerin ist Annette Schavan nicht zu halten, sagt Politikberater Michael Spreng. Noch habe Kanzlerin Merkel aber "Beißhemmung".

Ist Frau Schavan als Wissenschaftsministerin zu halten?
MICHAEL SPRENG: Es ist völlig aussichtslos, eine Wissenschaftsministerin im Amt zu halten, die ihren Doktortitel entzogen bekommen hat. Der Entzug macht ihr die Ausübung ihres Ministeramtes unmöglich. Sie wird zur Lachnummer bei jedem Auftritt, bei dem sie mit Wissenschaftlern oder Studenten zusammentrifft. Sie hat die Autorität für ihr Amt verloren.

Wie lange wird sie dem Druck standhalten?
SPRENG: Es gibt eine Maßeinheit: Bei Karl-Theodor zu Guttenberg hat es 12 Tage gedauert. Frau Schavan ist in einer ersten Trotzreaktion uneinsichtig. Sie fühlt sich im Recht und will das auch einklagen. Das ist soweit in Ordnung. Nur sind die politischen Regeln anders als die juristischen. Das Tempo der Politik ist schneller als das der Juristerei. Sie wird den politischen und medialen Druck nicht aushalten.

Guttenberg soll offensichtlicher getäuscht haben, kann ihr das helfen?
SPRENG: Das Ergebnis ist gleich. Eine Universität hat ihr den Titel entzogen, und zwar mit sehr schwerwiegenden Vorwürfen. Damit ist sie in dieser Position unhaltbar.

Könnte ihr besonderes Verhältnis zur Kanzlerin Frau Schavan helfen?
SPRENG: Frau Merkel hat Frau Schavan – einer politischen und persönlichen Freundin – viel zu verdanken, ihr Aufstieg in der CDU wäre ohne Schavan nicht so glatt verlaufen. Insoweit hat Merkel Beißhemmung.

Wie geht es weiter?
SPRENG: Der nächste Schritt wird sein, dass Frau Schavan zurücktritt, Frau Merkel das bedauert und ihr Dank und Anerkennung ausspricht.


Info
Michael Spreng ist Kommunikations- und Medienberater. Der Journalist war von 1989 bis 2000 Chefredakteur der „Bild am Sonntag“.

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