Überlingen "Mit völkischem Gerede kann ich nichts anfangen"

Alice Weidel zeichnet für das Wirtschaftsprogramm der AfD verantwortlich.
Alice Weidel zeichnet für das Wirtschaftsprogramm der AfD verantwortlich. © Foto: A. Clasen
Überlingen / ANDREAS CLASEN 27.04.2016
Liberal und konservativ - so ordnet Alice Weidel die AfD ein. Die Ökonomin hat das Grundsatzprogramm maßgeblich mitentwickelt.

Alice Weidel hat ihren Laptop auf den Tisch im Überlinger "Café im Rathaus" gestellt. Der Leitantrag für das erste "Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland" ist auf dem Bildschirm zu sehen. Weidel ist sichtlich stolz auf das Papier, an dem seit 2014 gearbeitet wurde. Sie hat dafür viel Zeit investiert, vor allem die geld- und wirtschaftspolitischen Teile mitgeprägt. Die 37-Jährige gehört dem Bundesvorstand wie der Programmkommission an, deren Vorsitzende sie zeitweise war.

"Wir sind Liberale und Konservative" steht in der Präambel des AfD-Grundsatzprogramms. Das passt zu Alice Weidel. Nach Doppelstudium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bayreuth promovierte sie und arbeitete unter anderem für Goldman Sachs und im Vorstandsbüro der Allianz Global Investors in Frankfurt. In Überlingen, wo die gebürtige Nordrhein-Westfälin vor 20 Jahren ihr Schifferpatent machte, verdient sie heute als Start-Up-Beraterin ihr Geld.

Früher hat Weidel mit der FDP sympathisiert, aber die Zeiten sind vorbei. "Die Partei hat mich enttäuscht, als sie 2005 an die Macht kam und lediglich Klientelpolitik für Hoteliers betrieben hat, statt die versprochene große Steuerreform durchzusetzen. Die machen wir dann, wenn wir an der Macht sind", sagt sie augenzwinkernd. "Für mich ist die AfD die neue liberale Kraft in Deutschland." 2013 trat sie der Partei bei und blieb ihr treu, als Bernd Lucke 2015 ging und "Alfa" gründete. "Das war für mich die Reflexreaktion eines Verlierers", sagt sie.

Konflikte mit ihrer Partei hat Weidel selbst auszustehen. "Dass wir zurück zu Diplom und Magister wollen, halte ich für falsch, und familienpolitische AfD-Sprecherin werde ich bestimmt nie werden", sagt sie. Da betone das Programm zu sehr die Unterstützung von Frauen, die zu Hause auf die Kinder aufpassen und ein traditionelles Familienbild.

Weidel, die mit einer Schweizerin in eingetragener Lebenspartnerschaft ein Kind großzieht, will mehr. Die AfD soll "zu einer Volkspartei werden". Erfolg habe sie aber nur, wenn sie sich klar von extrem rechten Strömungen distanziert. "Ich kann mit diesem völkischen Gerede nichts anfangen und das ist auch enorm schädlich für die AfD."

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