München "Lieber in Kinder und Bildung investieren"

Katharina Schulze: Eingriffe in die sensible Alpenregion. Foto: Landtag
Katharina Schulze: Eingriffe in die sensible Alpenregion. Foto: Landtag
PATRICK GUYTON 08.11.2013
Von der Ursprungsidee der Olympischen Spiele ist nichts mehr übrig, findet Katharina Schulze, Sprecherin der Gegner. Es geht um Kommerz, es bleiben Eingriffe in die Natur und Schulden für die Region.

Sie sind Münchnerin. Hat die Vorstellung von Olympischen Winterspielen in dieser schönen Stadt keine Faszination für Sie?

KATHARINA SCHULZE: München ist faszinierend - auch ohne Olympische Winterspiele. Es besteht ja nicht das Problem, dass München unbekannt wäre und touristisch für sich werben müsste. Die Erfahrungen bei Olympischen Spielen zeigen, dass am Ende immer die Kommunen und deren Bürgerinnen und Bürger auf den Schulden sitzenbleiben. München sollte lieber heute in Kinderbetreuung und Bildung investieren statt übermorgen in ein 14-tägiges Massenspektakel.

1972 gab es die legendären Spiele von München, wo sich eine neue, friedliche Bundesrepublik präsentiert hatte. Daran 50 Jahre später im Jahr 2022 anzuknüpfen, hat doch großen Charme.

SCHULZE: 1972 war ein toller Erfolg, der auch der Stadt einen Schub gegeben hat. Doch mittlerweile haben Olympische Spiele fast nichts mehr mit ihrer Ursprungsidee zu tun. Es geht um Kommerz, um Markenrechte, um Geld. Die eigentliche Olympia-Idee - Völkerverbindung, Zusammentreffen der Jugend der Welt - gefällt mir auch sehr, ich bin eine begeisterte Handballspielerin. Doch so wie früher ist es nicht mehr. Olympia 2022 wird uns mehr schaden als nutzen.

Münchens SPD-Oberbürgermeister Christian Ude sagt, dass man mit den Spielen den recht heruntergekommenen Olympia-Park wieder auf Hochglanz bringen kann - und dafür Zuschüsse bekommt.

SCHULZE: Der Olympiapark ist ein Wahrzeichen dieser Stadt mit vielen Funktionen, er ist ein Naherholungsgebiet. Ich halte es aber für an den Haaren herbeigezogen, dass man ihn nur mit Olympia sanieren kann. Außerdem wird der Park davor und danach lange eine riesige Baustelle werden.

Münchens Befürworter meinen, dass 2022 ökologische und nachhaltige Spiele stattfinden werden und man mit dem Konzept weit besser dasteht als bei der Bewerbung für 2018.

SCHULZE: Das einzig Grüne an diesen Winterspielen wird sein, dass kein Schnee liegt und die Pisten grün sind. Aufgrund des Klimawandels wird es eben wärmer. In München etwa sollen 2000 Bäume gefällt werden für das olympische Dorf. Auch in der sehr sensiblen Alpenregion gibt es Eingriffe: Die Buckelpiste muss ausgebaut werden, man muss Speicherseen für Beschneiungsanlagen in die Berge reinschlagen, die Loipen brauchen eine Kühlanlage.

Was gefällt ihnen am IOC nicht, dem Internationalen Olympischen Komitee?

SCHULZE: Das ist ein undurchschaubarer Verein, der sich nicht in die Karten blicken lässt. Das IOC legt den Austragungsorten Knebelverträge vor. Selbst Christian Ude beschreibt die Verträge als Zumutung. Die Gewinne fließen ans IOC, die Risiken tragen die Olympia-Orte. Das IOC kann bis kurz vor Schluss einseitig Teile der Verträge ändern. Man stellt einen Blankoscheck an einen Verband in der Schweiz aus. Mit einem nicht reformierten IOC sollte man keine Verträge abschließen.

Info: Katharina Schulze (28) ist Münchner Sprecherin von "Nolympics". Seit ihrem Einzug in den Landtag Mitte September gilt sie als vielversprechende Nachwuchskraft der bayerischen Grünen.