Herr Professor Reuss, steht in Ihrer Garage ein Elektroauto?
HANS-CHRISTIAN REUSS: Ja, ich fahre ein Elektroauto. Wir forschen ja am Institut zum Thema und nehmen dafür auch Fördergelder in Anspruch. Da wäre es ein Widerspruch, wenn ich privat noch einen Diesel fahren würde.

Haben Sie keine Angst, dass Ihr Auto in ein paar Jahren technisch überholt sein wird?
Ich muss gestehen, ich fahre ein Leasing-Fahrzeug, um in vier Jahren die Möglichkeit zu haben, ein neues Fahrzeug zu nehmen, das dann wieder auf dem neusten Stand ist. Heute ein Elektroauto zu kaufen, ist natürlich ein Stück weit mit Idealismus verbunden.

Geben Sie uns eine Prognose: Was wird an diesem Fahrzeug in vier Jahren besser sein?
Ich setze darauf, dass die Entwicklung von Batterien weitergeht, denn von ihnen hängt schließlich ab, wie weit ich mit einem Elektromotor komme. Bereits in vier Jahren werden wir mit Sicherheit von allen wesentlichen Herstellern Autos mit einer Reichweite von 400 bis 500 Kilometern haben. Das ist etwa zwei- bis dreimal so viel wie heute.

Hersteller werben massiv mit den technischen Fortschritten, die im Bereich der Elektromobilität gemacht werden. Wie lange wird an alltagstauglichen Elektromotoren geforscht und wo stehen wir heute?
Elektromotoren sind immer erforscht worden, wenn auch für andere Zwecke. Der flächendeckende Hype, den wir gerade beobachten, ist allerdings erst mit dem Klimaforschungsgipfel 2007 losgegangen. Da hat man auch in Deutschland wahrgenommen, dass die Elektrifizierung ein Schritt in die richtige Richtung sein kann. Seitdem beobachten wir auch einen verstärkten Trend zur Hybridisierung, also einer Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotoren, die von vielen als Brückentechnologie beschrieben wird.

Und wie lange dauert diese Brückenphase?
Solange, bis wir mit reinen batterieelektrischen Fahrzeugen eine zufriedenstellende Reichweite erreichen. Die Hybrid-Technologie hat einen entscheidenden Nachteil: Sie schleppen immer zwei Antriebe und zwei Energiespeicher - Batterie und Benzintank - mit sich herum. Das verschwendet Platz und erhöht das Gewicht, wodurch wiederum der CO2-Ausstoß steigt. Hybrid kann nur eine Brücke sein und momentan passiert auch sehr viel.

Ausschließlich in der Erforschung von Energiespeichern?
Nein, da hängt natürlich viel mehr dran. Wir am Institut forschen viel zum induktiven, also kabellosen Laden. Damit könnte die Ladestation in Form einer Spule schon in den öffentlichen Parkplatz integriert werden. Es geht in der aktuellen Forschung aber auch viel darum, die Reichweite zu erhöhen, indem man den Energieverbrauch reduziert. Durch ein geringeres Gewicht des Autos, durch eine bessere Aerodynamik, durch intelligente Navigation und effiziente Antriebssysteme. Das geht so weit, dass Fahrassistenzsysteme rote Ampeln und Stoppschilder ankündigen, damit nicht unnötig vor der Kurve Gas gegeben wird. Wenn heute bei vielen E-Fahrzeugen die Reichweite mit 200 Kilometern angegeben wird und im realen Leben 130 Kilometer beträgt, schmerzt jeder verschwendete Meter.