CSU „Fake News“: Warum Horst Seehofer jetzt twittern will

Dünnhäutig in Töging: Seehofer beim Bierzelt-Auftritt am Donnerstagabend.
Dünnhäutig in Töging: Seehofer beim Bierzelt-Auftritt am Donnerstagabend. © Foto: Armin Weigel/dpa
Berlin / Patrick Guyton 04.08.2018

In der hölzernen Bierhalle von Töging am Inn herrscht eine Affenhitze, doch Seehofers Seelenthermometer meldet Wohlfühltemperatur: „Sie glauben gar nicht, wie schön es ist, wenn man aus der Bundeshauptstadt ins gelobte Land zurückkommt“, schwärmt der CSU-Chef. Es ist sein erster Auftritt in bayerischem Wahlkampfambiente seit Wochen, seit dem großen Krach über die Flüchtlingspolitik mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), seit seinem Rücktritt vom Rücktritt. Und Seehofer möchte offenbar einiges loswerden, selbst wenn sich seine Ansprache auf eine knappe Dreiviertelstunde beschränkt.

Der Parteichef und Innenminister verteidigt seine Politik, betont, dass er für seine Überzeugungen kämpfe und als Innenminister nur das Recht durchsetze. Merkel erwähnt er nicht. Die Kanzlerin hatte ihrerseits – auch mit Blick auf Seehofers Attacken – vor allem die „schroffe Tonalität“ des Streits kritisiert. Der CSU-Chef aber hat offenbar nichts zurückzunehmen.

Söder-Auftritt mit Merkel

Anders als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) übrigens, der sich nach seinem Ausflug in das bundespolitische „Endspiel um die Glaubwürdigkeit“ wieder mehr als Landesvater präsentiert. Sogar einen gemeinsamen Wahlkampftermin mit der CDU-Chefin soll es geben: Ende September sprechen Söder und Merkel bei einer Europa-Veranstaltung in Ottobeuren (Unterallgäu), wie eine CDU­Sprecherin bestätigt. Noch Ende Juni hatte der CSU-Ministerpräsident dagegen durchblicken lassen, im Wahlkampf auf Merkel verzichten zu wollen. 

Die neue Södersche Friedfertigkeit dürfte auch eine Reaktion auf die Umfragewerte sein, die zeigen: Genutzt hat der heftige Flüchtlingsstreit CDU und CSU nicht. Im Gegenteil. Im jüngsten „Deutschlandtrend“ fällt die Union auf das Rekordtief von 29 Prozent. Die AfD dagegen legt auf 17 Prozent zu. Das sei nach dem Flüchtlingsstreit ja zu erwarten gewesen, heißt es dazu in der CDU-Parteizentrale.

Ein bisschen dünnhäutiger haben die letzten Wochen den eigentlich recht robusten Seehofer offenbar gemacht. In Töging beklagt er vor allem mediale Angriffe gegen ihn „weit unter der Gürtellinie“ – und sogar „Fake News“. Er sehe sich daher „gezwungen“, ab Ende August über den Kurzmitteilungsdienst Twitter für die Verbreitung der Wahrheit zu sorgen, kündigt er an.

Entnervt zog Seehofer außerdem seine Schirmherrschaft für den Deutschen Nachbarschaftspreis zurück, nachdem er aus dessen Reihen für seine Aussagen in der Flüchtlingspolitik kritisiert worden war. Der Geschäftsführer der nebenan.de-Stiftung Michael Vollmann, nannte diesen Schritt ein „bedauernswertes Signal“.

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