Interview „Europa jeden Tag neu bauen“

Cornelius  Ochmann.
Cornelius Ochmann. © Foto: Bartek Barczyk/Fabryka S
Berlin/Warschau / Mathias Puddig 05.06.2018

Seit mehr als 25 Jahren unterstützt die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit Projekte, die von Polen und Deutschen organisiert werden. Erfolgreich, wie Stiftungsleiter Cornelius Ochmann betont. Er moderiert das Forum, an dem Bundespräsident Steinmeier teilnimmt.

Herr Ochmann, wie steht es derzeit um die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen?

Cornelius Ochmann: Die Beziehungen sind besser, als es oft dargestellt wird. Schengen war ein Meilenstein. Seit 13 Jahren gibt es keine Grenze mehr, und das ist der wichtigste Faktor in den Beziehungen. Wer im jeweils anderen Land war, der hat ein viel positiveres Bild als die, die noch nicht da gewesen sind.

Nur ein Drittel der Deutschen war schon in Polen. Andersherum ist die Zahl auch kaum höher ...

Genau, wir haben noch viel zu tun. Ich will die gegenwärtigen Probleme nicht verheimlichen. Wir müssen einander besuchen, wir müssen zusammenarbeiten, unsere Vereine müssen miteinander zu tun haben. Heute kommt Präsident Steinmeier nach Warschau. Er wird die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit loben. Das ist ja auch das Wichtigste in den Beziehungen beider Länder.

Hat die Verbesserung trotz der Politik stattgefunden oder wegen ihr?

Die gesellschaftliche Annäherung hat mit der Politik nicht unbedingt was zu tun. Die Regierungen beider Länder sind nicht unbedingt einer Meinung, und trotzdem entwickelt sich die gesellschaftliche Zusammenarbeit bestens.

Wer trägt das?

Vor allem die Menschen in der Grenzregion. Die arbeiten tagtäglich miteinander, die spüren die wechselseitige wirtschaftliche Abhängigkeit. Es gibt tausende Polen, die in Deutschland arbeiten und tausende deutsche Firmen, die in Polen tätig sind.

Was gefährdet die Verständigung?

Dass die jungen Menschen die Errungenschaften der Europäischen Union für gegeben halten. Wir haben in der EU zurzeit viele negative Entwicklungen: Wir sollten deshalb in Polen und in Deutschland Europa jeden Tag neu bauen.

Meinen Sie die polnische Regierung?

Nein, diese Entwicklungen sind keine polnische Spezialität. Wenn wir nach Österreich oder Italien schauen, sehen wir ja, dass das keine rein polnische Entwicklung ist. An Europa müssen alle arbeiten, da würde ich kein Land positiv oder negativ beurteilen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel