Istanbul „Es sieht gut aus für Mesale Tolu“

Mesale Tolu steht in der Türkei vor Gericht.
Mesale Tolu steht in der Türkei vor Gericht. © Foto: Archiv
Christoph Mayer 18.12.2017

„Es sieht gut aus für Mesale Tolu“, sagt die Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, die den Prozess gegen die seit Mai in Istanbul inhaftierte Ulmer Journalistin live im Gerichtssaal verfolgt. Zur Überraschung aller Prozessbeobachter habe der Staatsanwalt gleich zu Beginn der Verhandlung die Freilassung der 33-jährigen gefordert, ohne dabei weiter ins Detail zu gehen. In der nachfolgenden kurzen Aussprachehabe Tolu sich selbst geäußert: „Ich habe nichts Verbotenes getan, sondern nur meine journalistische Arbeit gemacht.“

Auch Tolus Anwälte hätten dem Gericht noch einmal deutlich gemacht, dass es keinerlei Hinweise auf Beziehungen ihrer Mandantin zu „terroristischen Gruppen“ gebe – was ihr laut Anklageschrift vorgeworfen wird.

Das Gericht hat sich nun zu einer einstündigen Beratung zurückgezogen. Es wird erwartet, dass die Entscheidung über eine mögliche Aussetzung der Haft danach verkündet wird. Als positives Zeichen bewertet Hänsel auch die Tatsache, dass der Vorsitzende Richter ausgetauscht wurde. Am ersten Verhandlungstag Mitte Oktober war es noch der gleiche, der auch Tolus Verhaftung angeordnet hatte, was nach türkischem Recht unzulässig ist. Weiter sagte sie, das Verfahren wirke so, als sei die Entscheidung bereits woanders getroffen worden.

In dem Verhandlungssaal herrsche Enge, es passten kaum 25 Personen hinein, so Hänsel. Offenbar habe die türkische Justiz bewusst einen kleinen Gerichtssaal ausgewählt, um nicht zu viele Beobachter zulassen zu müssen.

Hänsel, der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff wie auch der deutsche Botschafter Martin Erdmann sind aber zugelassen. Hänsel sagt, sie sitze direkt hinter der Angeklagten. „Ich habe ihr die Hand gedrückt, sie ist gut drauf und hat sich für die große Unterstützung bedankt.“

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