Linken-Parteitag „Du zerlegst die Partei, Sahra“

Leipzig / André Bochow 11.06.2018

Am Ende knallt es doch noch. Heftig. Um 12.30 Uhr am Sonntag fragt die Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig nach. Sahra Wagenknecht,  Chefin von Leidig in der Bundestagsfraktion,  hat gerade geredet. Leidig an Wagenknecht:  „Warum  hast Du auf diesem Parteitag Deine Position nicht zur Debatte gestellt?“  Sie meint die Ansichten Wagenknechts  zur Migration.

Tatsächlich begnügte sich bis zu diesem Zeitpunkt das Wagen­knecht-­Lager damit,  der Parteivorsitzenden Katja Kipping die Zustimmung zu versagen. Kipping bekam 64,5 Prozent. Ohne Gegenkandidatin. So wenig Stimmen hatte sie noch nie. Ko-Vorsitzender Bernd Riexinger kam mit 73,8 Prozent  glimpflicher  davon. Vor zwei Jahren waren es 78 Prozent. Dabei hatte kam etwas auf dieses schlechte Ergebnis hingedeutet. Niemand stellte Anträge, die den Parteivorstand in Schwierigkeiten hätten bringen können, es gab keine  Gegenkandidaturen. Die eigentliche Debatte war ausgeblieben.

Nicht mal die Hälfte jubelt

Im zitronengelben Kostüm steht Sahra Wagenknecht  auf der Bühne und scheint verblüfft zu sein. In den vergangenen Jahren war es ihr immer gelungen, die Delegierten von den Sitzen zu reißen. Nun hat nicht einmal der halbe Parteitag nach ihrer Rede gejubelt.  Jetzt sagt sie, sie sei froh, „dass im Leit­antrag ein Kompromiss steht“. Denn: „Die Formulierung ‚offene Grenzen für alle‘ ist nicht mehr drin.“ Außerhalb der Partei wird man den Unterschied wohl kaum wahrnehmen. Innerhalb der Partei markiert der kleine Unterschied ziemlich sauber zwei Lager.

Wagenknecht erklärt, sie wollte keine Anträge stellen, um Kampfabstimmungen zu vermeiden. „Das hätte doch die Partei zerlegt.“ Darauf platzt der Berliner Senatorin Elke Breitenbach der Kragen. „Du zerlegst doch gerade  diese Partei, Sahra!“, ruft die Berliner Senatorin. „Du ignorierst die Position der Mehrheit dieser Partei.“ Der Rest geht in Applaus und Tumult unter.

Nun holt der Parteitag nach, was bislang ausgefallen war: eine Flüchtlingsdebatte. „Ich glaube, das war eine notwendige Debatte“, sagt anschließend Bernd Riexinger. Neben ihm stehen Katja Kipping, Sahra  Wagenknecht und  Dietmar Bartsch. Ein gewolltes Bild der Geschlossenheit. Riexinger kündigt eine gemeinsame Klausur von Parteivorstand und Fraktion an.  Dietmar Bartsch verkündet, der Sender Phönix habe zugunsten des Parteitages die Sendung „Kreuzzug der Katharer“ verschoben.  Ein Zeichen, dass es bergauf gehe, so Bartsch.

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