Interview Interview: „Das E-Flugzeug ist möglich“

Berlin / Dorothee Torebko 13.08.2018
In der Luftfahrt gibt es Turbulenzen. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt schauen Experten in die Zukunft.

Air-Berlin-Pleite, Ryanair-Streiks, Chaos an Flughäfen mangels Bodenpersonal: In der Luftfahrt ist derzeit viel Bewegung. Über die Zukunft geben Johannes Reichmuth und Rolf Henke vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Auskunft.

Es gibt eine starke Marktkonzentration in der Luftfahrt. Wie bedenklich ist diese Entwicklung?

Johannes Reichmuth: Viele Strecken sind Monopole. Newcomer haben es da gerade bei den hochbelasteten Flughäfen wie in Düsseldorf oder Berlin-Tegel schwer, reinzukommen. Dennoch können die meisten Passagiere zwischen vielen verschiedenen Anbietern wählen.

Ryanair hat am Freitag den schlimmsten Streik der Geschichte erlebt. Ist das Konzept des Billigfliegers noch zukunftsfähig?

Modelle auf Kosten der Mitarbeiter haben ein Ende. Das haben die Streiks gezeigt. In Zukunft wird es auch immer mehr um eine ganzheitliche Vermarktung gehen. Ryanair macht das bereits, indem die Gesellschaft Autos vermietet oder Gewinne über ihre Website einfährt.

Ist ein Modell wie das von Air Berlin, das sich preislich zwischen Lufthansa und Ryanair orientiert, noch einmal für Deutschland vorstellbar?

So etwas wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Eine Fluglinie wie Lufthansa, die durch ihr kluges Management besticht, könnte sich auf dem Markt allerdings durchsetzen.

In der Autobranche sind Elektro-Fahrzeuge im Kommen. Wird es bald auch E-Flugzeuge geben?

Rolf Henke: Ja, die könnte es in Zukunft geben. Allerdings bedarf es noch technischer Weiterentwicklungen sowie politischer Entscheidungen – zum Beispiel, was die Zulassung angeht. Wenn Politik und Wirtschaft den Antrieb denn möchten und forcieren, könnten in zehn Jahren E-Flugzeuge mit bis zu 20 Sitzen in der Luft sein.

Was könnten Fluggesellschaften noch tun, um der Umwelt zu helfen?

Das reicht vom Einsatz effizienterer Triebwerke über die Nutzung von alternativen Kraftstoffen bis hin zum optimalen An- und Abflugverfahren, damit weniger Staus in der Luft entstehen. Es ist ein Bündel von Maßnahmen, das nötig ist, um Schadstoffe langfristig zu reduzieren.

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