"Bayern, des samma mia, samma mia"

CHRISTOPH TROST, DPA 04.09.2012
Das ist Gillamoos: In jedem Bierzelt ein Spitzenpolitiker. Doch vielen Besuchern war der Kabarettist Wolfgang Krebs lieber als die echten Amtsträger. Nur die Bundeskanzlerin zog mehr Zuschauer an als er.

Zum Einzug spielt die Kapelle den Marsch "Preußens Gloria", am Ende gibts "Angie" von den Rolling Stones: Beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg ist die Bundeskanzlerin zu Gast mitten im CSU-Stammland - und wird bei ihrem Auftritt in Niederbayern von mehreren tausend Gästen begeistert empfangen. Dort tut die CDU-Vorsitzende, was man von ihr bei derartigen Auftritten in Bayern gewohnt ist: Sie hält eine relativ staatstragende Rede, in der routinemäßiges Lob für den Freistaat und die CSU nicht zu kurz kommt. "Wenns drauf ankommt, halten CDU und CSU zusammen - und das war immer gut für Deutschland." Dann aber stellt die Kanzlerin in der Euro-Schuldenkrise klar: "In einer solchen schwierigen Phase haben diese Länder unsere Solidarität verdient, dass wir ihnen wünschen, dass sie diese Schwierigkeiten überwinden können." Das hört sich anders an als CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone zieht. Trotzdem betont der CSU-General, der in dem proppenvollen Bierzelt neben Merkel auf der Bühne steht, es gebe "überhaupt keinen Widerspruch".

Auch in den übrigen Bierzelten treten - das ist das Besondere am Gillamoos - zeitgleich Spitzenpolitiker aller Parteien auf. Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude wirft der CSU wegen der Rufe nach einem Euro-Aus Griechenlands "skrupellose Vereinfachung" vor: "Griechen raus" erinnert mich an übelste Parolen." Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin attackiert Merkel als scheinheilige Schuldenkanzlerin. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger unter Applaus: "Ich möchte der Kanzlerin zurufen: Komm rüber du altes Schlachtross, hier ist die Alternative." Bei der FDP kontert Wirtschaftsminister Martin Zeil: Aiwanger sei ein "eurofeindliches Rumpelstilzchen" auf Stimmenfang ganz rechtsaußen.

Die wahre Alternative sehen viele Gillamoos-Besucher im Auftritt des Kabarettisten Wolfgang Krebs - der lockt nach Merkel die meisten Zuhörer, noch vor Ude. Krebs tritt in einer Vierfachrolle auf: als Merkel, Ude, als Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber und als Ministerpräsident Horst Seehofer. Auf dem Gillamoos, so beklagt Krebs als Stoiber, da dominierten außerbayerische Politiker. "Weil es auch heuer wieder gilt, als einziger Bayer die weißblaue Fahne hochzuhalten in einem Meer aus nichtbajuwarischen Rednerströmen, die heute einmal mehr über uns hereingebrochen sind!" Nachher, als Merkel weg ist, spielt die Kapelle: "Bayern, des samma mia, samma mia, samma mia."

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