CDU-Chef Friedrich Merz nennt es einen „unfassbaren Vorgang“, Israels Ministerpräsident Jair Lapid spricht von einer „moralischen Schande“. Tatsächlich ist Abbas‘ Äußerung als Gast des Bundeskanzlers ein Skandal. Auch Scholz‘ unmittelbar ausgebliebener Widerspruch und das auf das Pressestatement folgende routinemäßige Händeschütteln darf man so nennen.
Denn Olaf Scholz kann eigentlich sehr schlagfertig sein. Auch in englischer Sprache. Doch im Moment von Abbas‘ empörender Aussage versagten seine Stimme und er selbst.

Berechtigte Kritik an Scholz‘ Sprachlosigkeit

Der Bundeskanzler hätte auf so eine Situation vorbereitet sein müssen. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass der Palästinenser-Präsident durch antisemitische Aussagen auffällt.
Scholz‘ Sprachlosigkeit ist aber auch ein Zeichen dafür, dass auch diese Bundesregierung noch keinen Weg gefunden hat, sich glaubwürdig in dem Jahrzehnte dauernden Konflikt zu positionieren. Glaubwürdig hieße: Klare Kante gegen Antisemitismus und palästinensischen Terror, aber auch offene Kritik an allem, was Israel einer diplomatischen Lösung des Nahostkonflikts entgegensetzt.