Am Ende seiner Rede, es ist 12.03 Uhr, und die Massen der CSU-Anhänger klatschen begeistert, geht Markus Söder einen Schritt auf Manfred Weber zu und nimmt dessen Hand von der Seite. Beide reißen die Arme in die Höhe. Dann nehmen sie rasch noch einen Weißhaarigen dazwischen, es ist Edmund Stoiber, Ex-Ministerpräsident und CSU-Chef. Vergangenheit und Zukunft der CSU Hand in Hand – das ist die Botschaft des politischen Aschermittwochs vor 6000 Parteigängern in der Passauer Dreiländerhalle. Söder ruft: „Die CSU ist da, und die CSU bleibt da.“

Es ist so einiges anders als sonst. Die früher recht aggressiv zur Schau gestellte Bayern-Tümelei wirkt herunter gedreht. Hauptsächlich geht es um Europa, denn Manfred Weber ist nicht nur CSU-Abgeordneter in Straßburg, sondern Spitzenkandidat der EVP-Fraktion für die Wahl am 26. Mai. Weber gibt die Richtung vor: „Wir müssen unser Europa verteidigen“, sagt er kraftvoll, „wir stehen für ein demokratisches Europa.“ Er macht klar, wer der Hauptgegner sei: „Die AfD will dieses Europa zerstören“, man müsse „gegen die rechten Dumpfbacken kämpfen“.

So hat das nicht immer geklungen an dieser Stelle. Da wurde manches Mal heftig gegen Fremde vom Leder gezogen, wurden Flüchtlinge gegen Einheimische ausgespielt, bayerische Kirchtürme als Symbole deutscher Leitkultur in den Himmel gelobt. Letztes Jahr hatte Söder als designierter Ministerpräsident ein rabendüsteres Bild gezeichnet wegen der Flüchtlingspolitik.

Davon, dass Söder und Weber ein frostiges Verhältnis nachgesagt wird, ist auch nichts zu spüren. Die Wahl sei „eine Manfred-Wahl und eine Schicksalswahl.“ Um eine Schlappe wie bei der bayerischen Landtagswahl im Herbst zu verhindern, stellt sich Söder gegen die AfD, die „auf dem Weg ins Rechtsextreme“ sei. Deren bürgerliche Mitglieder fordert Söder auf: „Kehrt zurück und lasst die Nazis alleine in der AfD.“ Ein Streit mit der CDU wie im Chaos-Sommer 2018 werde sich nicht wiederholen. Die Integration von Flüchtlingen funktioniere „besser als gedacht“. Das Parteivolk applaudiert.