Er könnte zwar selbst fliegen wie seinerzeit Franz-Josef Strauß, aber darauf verzichtet Friedrich Merz dann doch. Ähnlich wie der damalige CSU-Chef betreibt auch der CDU-Vorsitzende Neben-Außenpolitik, wenn er nun auf mehrtägiger Auslandsreise nach Polen und Litauen ist, wo er ausländische Regierungschefs und deutsche Soldaten trifft. Das kann man als neuerlichen Affront gegen den Kanzler interpretieren, nachdem Merz ihm schon mit seiner Ukraine-Reise zuvorgekommen war. Doch dem Land als Ganzes schadet der Besuch sicherlich nicht. Denn wie sehr die Bundesrepublik bei den östlichen Nachbarn mit der zögerlichen Ukraine-Unterstützung Vertrauen eingebüßt hat, wurde hierzulande noch zu wenig verstanden. Auf die Deutschen ist im Notfall kein Verlass, ist das Signal, das die Bundesregierung aussendet.
Merz füllt so ein weiteres Mal geschickt die Lücken, die Scholz ihm lässt. Auch bei anderen Themen, etwa der Energiepolitik, findet der Oppositionsführer immer wieder die offenen Wunden der Ampel und legt den Finger hinein. Glaubt man den Umfragen, stößt dies in der Bevölkerung durchaus auf Zustimmung – Privatflüge nach Sylt hin oder her.