Kommentar Peter De Thier zum anonymen Beitrag über das Weiße Haus Zustand im Weißen Haus: Drohende Implosion

Peter De Thier
Peter De Thier © Foto: privat
Washington / Peter De Thier 08.09.2018

Dass sich das Personalkarussell im Weißen Haus unter US-Präsident Donald Trump in schwindelerregendem Tempo bewegt, ist nicht neu. Wenn entlassene Mitarbeiter ihrem früheren Chef in den Rücken fallen, beschimpft er sie als Lügner und gelegentlich als Verbrecher, die „Staatsverrat“ begangen hätten. Was sich dieser Tage aber im Weißen Haus abspielt, stellt alles in den Schatten. Wir erfahren nicht nur, dass Kabinettsmitglieder längst das Vertrauen in Trump verloren haben und teilweise wohl allein  deswegen an Bord bleiben, weil sie laut Pentagon-Chef James Mattis „den Dritten Weltkrieg verhindern wollen“. Andere Mitarbeiter gehen so weit, dass sie anonyme Kommentare in einer führenden Zeitung veröffentlichen und darin erzählen, wie Mitarbeiter aktiv versuchen, die Umsetzung von Trumps Politik zu unterlaufen.

Die Dysfunktionalität in Washington hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Dinge laufen so schnell aus dem Ruder, dass die Diskussion darüber, ob Sonderermittler Robert ­Mueller­ den Präsidenten womöglich wegen Behinderung der Justiz an den Pranger stellen wird und welche  Folgen dies haben könnte, fast zweitrangig erscheint. Viel aktueller ist die Frage, ob ein Präsident, dessen Handlungen von einem wachsenden Verfolgungswahn und vielleicht von auch schlechtem Gewissen geprägt sind, vor einer Implosion steht. Angesichts der kolossalen Machtfülle des Amts, welche dieser Präsident demonstrativ zur Schau stellt, will man sich gar nicht erst ausmalen, was dann geschehen könnte. Stattdessen sollte man Trost darin finden, dass es noch Menschen um ihn herum gibt, die alles tun, was sie können, um Trump in Schach zu halten.

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