Kommentar von Martin Gehlen Angriffe wirken wie ein „zynisches Gemogel“

Damaskus: Dieses von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Trümmer des Forschungszentrums in Barsah, das bei Angriffen der USA, Großbritannien und Frankreich stark beschädigt wurde. Die drei westlichen UN-Vetomächte haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen.
Damaskus: Dieses von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Trümmer des Forschungszentrums in Barsah, das bei Angriffen der USA, Großbritannien und Frankreich stark beschädigt wurde. Die drei westlichen UN-Vetomächte haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen. © Foto: Uncredited/SANA/AP/dpa
Damaskus / Von Martin Gehlen 14.04.2018

Angesichts der qualvoll erstickten Opfer von Ost-Ghouta können die westlichen Angriffe von Samstag eigentlich nur wirken wie ein zynisches Gemogel. Nach einer Woche wilder Trump-Tweats beließen es die Alliierten wieder bei symbolischen Luftschlägen, wenn auch ein paar mehr als vor einem Jahr nach dem Giftgasangriff auf Khan Sheikhoun. Und trotzdem war das Ganze ein Sieg der Vernunft. Der Schlagabtausch mit Russland auf syrischem Boden fand nicht statt, aus dem leicht ein verheerender Weltbrand hätte entstehen können. Gleichzeitig allerdings wiederholt sich die bittere Einsicht, dass in Syrien für den Westen nicht mehr viel zu machen ist. Das Regime in Damaskus hat gesiegt. Für Amerika und Europa dagegen ist der Zeitpunkt längst verstrichen, wenn es ihn je gab, Syriens Tragödie abzukürzen oder in andere Bahnen zu lenken. Und so klingen die neuerlichen vollmundigen Behauptungen aus Paris und London, diesmal seien große Teile des syrischen Giftgasarsenals zerstört worden, eher hilflos als überzeugend. Denn Bashar al-Assad weiß, Iran und Russland werden wegen ihres jahrelangen Kriegseinsatzes sämtliche Untaten auch weiterhin bedingungslos decken. Und so kann der Diktator den Feldzug gegen seine aufständischen Landsleute schon kommende Woche ungerührt fortsetzen – mit aller Gewalt und ohne jede Skrupel. Nach Ost-Ghouta wird sich das Regime nun die Nordprovinz Idlib vorknöpfen, die letzte Hochburg seiner immer schwächer werdenden Gegner. Und auch hier – so ist zu befürchten – wird die Weltöffentlichkeit wieder das Gleiche miterleben müssen – eine apokalyptische Bombenhölle und ein nächstes Massaker durch Nervengift.

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