Klimapolitik Weltklimarat fordert Kehrtwende bei Energiepolitik

Ein Ballon mit der Aufschrift „Es gibt keinen Planet B.“ ist vor Braunkohlekraftwerken zu sehen – aufgenommen am Hambacher Forst.
Ein Ballon mit der Aufschrift „Es gibt keinen Planet B.“ ist vor Braunkohlekraftwerken zu sehen – aufgenommen am Hambacher Forst. © Foto: Ina Fassbender/dpa
Berlin / Igor Steinle 09.10.2018
Der Weltklimarat IPCC rückt vom Zwei-Grad-Ziel ab. Die Erderwärmung soll auf 1,5 Grad begrenzt werden - sonst wird es kritisch.

Der Weltklimarat IPCC heizt die klimapolitische Debatte in Deutschland weiter an. In einem Sonderbericht mahnt das Gremium der Vereinten Nationen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen“ seien nötig, um dieses Ziel zu erreichen, erklärte der IPCC gestern im Anschluss an eine mehrtägige Sitzung in der südkoreanischen Küstenstadt Incheon. Der Weltklimarat fordert daher einen Rückgang der globalen CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent und einen weltweiten Kohleausstieg bis Mitte des Jahrhunderts.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Auswirkungen einer Erderwärmung von zwei Grad beherrschbar seien. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarten 196 Staaten rechtsverbindlich, die globale Durchschnittstemperatur auf „deutlich unter“ zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten. Aktuell liegt die Erwärmung bei etwa einem Grad. Von dieser Haltung ist man abgerückt. Sollte das schärfere Ziel verfehlt werden, drohen nach Ansicht der Klimaforscher dramatische Folgen. Jede Erwärmung darüber hinaus würde „die Gefahr langanhaltender oder nicht mehr umkehrbarer Veränderungen wie den Verlust von Öko-Systemen“ mit sich führen, warnt der Kieler Klimaforscher Hans-Otto Pörtner. IPCC-Wissenschaftlerin Debra Roberts mahnt: „Die kommenden Jahre sind vermutlich die wichtigsten in der Menschheitsgeschichte.“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte die Bundesregierung auf, schnellstmöglich die Kohleverstromung zu beenden. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth verwies auf den Verkehrssektor, „wo wir die Anstrengungen erheblich erhöhen müssen“. So dürfte der ­IPCC-­Bericht auch das Treffen der EU-Umweltminister heute beeinflussen, die sich in Brüssel über eine Haltung zu CO2-Grenzwerten bei Neuwagen einigen wollen. Deutschland gilt hier als Bremser.

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