Imamoglus Sieg bedeutet eine schwere Niederlage für den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Die staatliche Wahlbehörde hatte noch gar nicht mit der Veröffentlichung der Auszählungsergebnisse begonnen, da gestand der Regierungskandidat Binali Yildirim seine Niederlage ein. Nach den vorliegenden, inoffiziellen Teilergebnissen erreichte Imamoglu 53,7 Prozent der Stimmen. Auf Yildirim entfielen nur 45,3 Prozent.

Der 49-jährige Imamoglu trat mit dem Slogan „Alles wird gut“ für die laizistische Oppositionspartei CHP an, bekam aber auch die Unterstützung weiterer Oppositionsgruppen, die zu seinen Gunsten auf eigene Kandidaten verzichteten. Yildirim (63) war zuletzt Premierminister und Parlamentspräsident, bevor ihn Staatschef Recep Tayyip Erdogan für die Regierungspartei AKP ins Rennen um das Istanbuler Rathaus schickte.

Zur Niederlage des AKP-Kandidaten dürfte die Wirtschaftskrise beigetragen haben, die zu hoher Arbeitslosigkeit und Inflation geführt hat. Aber auch der Unmut über den zunehmend autoritären Kurs des Staatschefs und seine Bestrebungen zur Islamisierung der türkischen Gesellschaft stoßen offenbar zunehmend auf Ablehnung. Die Wahl galt deshalb auch als Abstimmung über Erdogans Zukunft.