Interview Vor dem Klimagipfel: „Nur schöne Worte“

Elmar Kriegler: Wir brauchen konkrete Maßnahmen.
Elmar Kriegler: Wir brauchen konkrete Maßnahmen. © Foto: Klemens Karkow
Berlin / Luca Schmidt 03.12.2018

Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung setzt keine allzu großen Hoffnungen in den Weltklimagipfel in Kattowitz.

Herr Kriegler, wird bei der Klimakonferenz in Kattowitz nur verhandelt?

Nein, durch die Veranstaltung gibt es einen regen Austausch. Da sind nicht nur Delegierte der Nationen vor Ort, sondern auch Vertreter von Industrie und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Es ist ein jährlicher globaler Diskurs. Ich war selbst auf einigen Konferenzen und werde auch dieses Jahr wieder dabei sein. Dort trifft man zum Beispiel Menschen aus Subsahara-Afrika, die Kampagnen gegen Landnahmen organisieren. Es ist ein Ort, an dem die Welt sich austauschen kann.

Was erwarten Sie vom Gipfel?

Meine Erwartungen sind nicht allzu hoch. Wichtig ist aber zum einen das so genannte Regelbuch, in dem laut dem Pariser Abkommen festgelegt werden soll, wie die Emissionen von Treibhausgasen berechnet werden und wie ihre Reduktion erfasst wird. Das klingt langweilig, ist aber Konfliktstoff. Es gibt dennoch die Hoffnung auf substanzielle Fortschritte bei der Konferenz. Zweitens wird es um die Ausgestaltung des Green Climate Fund gehen, aus dem irgendwann Milliarden strömen sollen, um armen Ländern den Übergang in eine CO2-freie Wirtschaftsweise zu erleichtern. Zum Dritten gibt es den Talanoa-Dialog. Hier besteht die Gefahr, dass wir wieder nur schöne Worte hören. Wir brauchen aber endlich konkrete Maßnahmen zur Emissionsreduktion.

Welchen Einfluss haben US-Präsident Donald Trump und Brasiliens künftiger Staatpräsident Jair Bolsonaro auf die Konferenz?

Einen sehr großen. Bolsonaro im Moment wahrscheinlich sogar noch mehr, weil man den Trump-Schock überwunden hat. Auf Trumps Ankündigung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, haben die anderen Nationen geschlossen reagiert. Die USA kann auch nicht ohne weiteres ausscheiden, frühestens zum Ende von Trumps Amtszeit. Bolsonaros Äußerungen hingegen sind neu. Brasilien ist ein ganz wichtiges Land beim Klimaschutz, es geht um die zunehmende Entwaldung und den Schutz des Amazonas. Andere große Schwellenländer beobachten das genau. Das wird die Klimapolitik beeinflussen.

Deutschland galt bislang als Vermittler in der Klimapolitik, ist das immer noch so?

Deutschland galt sogar als Vorreiter, als Land, das Klimaschutz vorantreibt und sehr ambitionierte nationale Ziele hat. Diese Wahrnehmung hat sich aber verändert. Die Energiewende wird im Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Und gerade hier haben wir im Moment Schwierigkeiten, an die größten Emissionsquellen im Stromsektor, die Kohlekraftwerke, heranzugehen. ­Außerdem hat Deutschland versucht, Emissionsgrenzwerte für den Verkehr auf europäischer Ebene zu verwässern. Das hat uns das Ansehen als Vorreiter ge­kostet.

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