Weniger als vier Wochen vor der Wahl steht US-Präsident Donald Trump mit dem Rücken zur Wand. In Umfragen verliert er gegenüber seinem demokratischen Gegner Joe Biden an Zustimmung, vor allem wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie, aber auch wegen der schwächelnden Wirtschaft.
Angetreten war Trump im Januar 2017 mit dem Versprechen, auf breiter Front die Steuern zu senken, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und damit den Weg zu bereiten für einen noch nie dagewesenen „Jobs Boom“. Im Dezember 2017 verabschiedete der Kongress dann die umfangreichste US-Steuerreform seit Jahrzehnten. Der Unternehmenssteuersatz wurde von 35 Prozent, seinerzeit der höchste aller OECD-Länder, auf 21 Prozent heruntergeschraubt. Die Einkommensteuer sank ebenfalls.
    Demokraten kritisierten zwar den „Tax Cuts and Jobs Act“ (TCJA), weil das Gesetz zahl­reiche Schlupflöcher für die Wohlhabendsten enthielt, unter anderem die Verdoppelung des Freibetrags für die Erbschaftssteuer auf 11,4 Millionen US-Dollar. Unterm Strich erwies sich die Reform aber als ein Erfolg, mit dem der Präsident vor allem in der Gunst einflussreicher Konzernlenker zulegte.

Für die USA ging es wirtschaftlich bergauf

    Dass Unternehmen weniger Geld an das Finanzamt abführen mussten, verbesserte ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Nach Darstellung von Randall Stephenson, der bis Juli Chef des Telekom-Multis AT&T war, „setzte die Steuerreform eine Menge Kapital frei und erhöhte unseren Cashflow um 20 Prozent“. Das Ergebnis: AT&T investierte davon eine Milliarde in eine neue Generation an Mobilnetzwerken und zahlte Mitarbeitern Boni von je 1000 Dollar (851 Euro).
    Ähnliches galt für andere Unternehmen, etwa den Rüstungskonzern Lockheed Martin, der 5 Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) an freigesetztem Bargeld in die Pensionskassen der Mitarbeiter einzahlte. Auch Privathaushalte profitierten. Ihre  Steuerlast fiel 2018 um durchschnittlich 1200 Dollar (1021 Euro) geringer aus.  Bis zum Ausbruch der Pandemie im Frühjahr ging es mit der US-Wirtschaft, die Wachstumsraten zwischen 2,3 und 3  Prozent hinlegte, stetig bergauf. Es wurden Jobs geschaffen, die Arbeitslosenquote fiel auf 3,5 Prozent.
    Die Staatsschulden stiegen allerdings parallel deutlich, und es fehlte Geld für Infrastrukturinvestitionen und andere Programme, die der Präsident versprochen hatte. Auch die Kluft zwischen und Armen und Reichen vergrößerte sich.

Trump hatte keine schlechten Karten – bis zur Pandemie

In den USA gilt allerdings die Devise, dass Wähler jenem Kandidaten ihre Stimme schenken, der „besser für den Geldbeutel ist“. Daher hatte Trump wegen der Steuerreform und der wirtschaftlichen Entwicklung keine schlechten Karten – bis zur Pandemie.
   Nach dem Ausbruch der Pandemie kam das Geschäftsleben in vielen Branchen, vor allem im Gastgewerbe, in der Tourismus- und Freizeitindustrie, zum Erliegen. Millionen Menschen verloren ihren Job. Inzwischen nimmt die Beschäftigung  zwar wieder zu, im September lag die Arbeitslosenquote aber immer noch bei rund 8 Prozent. Die Wirtschaft brach im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um mehr als 31 Prozent ein, und viele Ökonomen halten angesichts der steigenden Infektionszahlen einen zweiten Einbruch für möglich.

Wähler: Trump hat die wirtschaftliche Erholung abgewürgt

Schuld an der schwachen Konjunktur ist nach Darstellung des Präsidenten, der im Falle eines Wahlsiegs an seine erfolgreiche Steuerreform anknüpfen will, allein das „China Virus“. Dieses Argument dürfte ihm aber kaum helfen. Denn auch wenn die Pandemie selbst nicht seine Schuld ist, werfen ihm  Wähler vor, diese zu spät angepackt und damit auch die wirtschaftliche Erholung abgewürgt zu haben.