USA US-Präsident George H.W. Bush mit 94 Jahren gestorben

Mit Helmut Kohl verband George Bush eine enge Freundschaft.
Mit Helmut Kohl verband George Bush eine enge Freundschaft. © Foto: Schackow/Wallrath/Actionpress
Washington / 03.12.2018

Als George H. W. Bush am 20. Januar 1989 vor dem Kapitol in Washington den Amtseid sprach, waren die epochalen Umwälzungen in Europa noch unabsehbar. Wer hätte ahnen können, dass es am Ende seiner Regierungszeit keine Sowjetunion, keinen Kalten Krieg und keine DDR mehr geben würde?

Die Deutschen verdanken dem 41. US-Präsidenten eine Menge, auch wenn die Dankbarkeit für die Wiedervereinigung im kollektiven Gedächtnis vor allem Michail Gorbatschow erntete. Jetzt ist Bush im Alter von 94 Jahren in Houston gestorben. Mit ihm geht ein Staatsmann, der noch für amerikanische Führungsstärke und Berechenbarkeit stand – in den Nachrufen schwingt ein Hauch von Wehmut mit.

Dass Bush in den Monaten nach dem Mauerfall Helmut Kohls Kurs zur deutschen Einheit voll unterstützte – gegen den Willen Großbritanniens und Frankreichs – war nicht selbstverständlich. Am 12. Juni 1924 in eine wohlhabende Familie in Neuengland geboren, war er als junger Mann mit Bildern aus einem anderen Deutschland aufgewachsen. Als jüngster Navy-Pilot hatte er gegen Hitlers Verbündeten Japan gekämpft und wurde 1944 über dem Pazifik abgeschossen.

Doch anders als Margaret Thatcher und Francois Mitterrand vertraute Bush 1989/90 der Westbindung Deutschlands und seinem Bundeskanzler. Mit Kohl wie auch Gorbatschow verband ihn seit diesen Tagen eine feste Freundschaft. „Deutschland trauert um einen wahren Freund“ hieß es denn auch am Samstag im Kondolenzschreiben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Bush stehe für die „Größe und Großzügigkeit Amerikas“.

Vor seinem Weg in die Politik hatte Bush im Ölgeschäft Millionen verdient. 1966 schaffte er für die Republikaner den Sprung  ins Repräsentantenhaus. Als US-Präsident führte er den Krieg zur Befreiung Kuwaits von irakischer Besatzung Anfang der 90er Jahre. Der Feldzug gehorchte neben den Ölinteressen noch dem Völkerrecht und fußte auf einer breiten Koalition. Dass Bush senior Saddam Hussein nicht stürzte, gilt heute als weise – angesichts Chaos im Nahen Osten seit der Irak-Invasion unter Führung seines Sohnes. „Mich hat niemand um meinen Rat gefragt“, kommentierte er die Kriegspolitik des Juniors. Die schwächelnde US-Wirtschaft kostete Bush 1992 das Weiße Haus zugunsten des jungen Bill Clinton.

Danach widmete sich Bush seiner Rolle als Elder Statesman. Mit Frau Barbara, die nur wenige ­Monate vor ihm starb, hatte er sechs Kinder. Bush geht als ein Staatslenker in die Geschichte ein, der bei aller offenen Machtpolitik den multilateralen Ausgleich suchte und die Nähe zu Amerikas Partnern nie vergaß. Im persönlichen wie politischen Stil wirkte er wie ein Gegenentwurf zu Donald Trump, den er nicht sonderlich schätzte.

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