Hintergrund Uno: 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht

Wo Flüchtlinge Schutz suchen.
Wo Flüchtlinge Schutz suchen. © Foto: SWP Grafik
Genf / Jan Dirk Herbermann 20.06.2018
68,5 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die Krise betrifft vor allem arme Länder.

Die siebenjährige Vahide hat Glück gehabt. Das Mädchen aus dem Bürgerkriegsland Syrien lebt jetzt mit seinen Eltern und Geschwistern in Istanbul in der Türkei. Vahide spricht türkisch und geht zur Schule. Unter demselben Dach leben auch zwei Cousins Vahides. Deren Vater wurde in Syrien getötet. Vahide und ihre Familie teilen ihr Schicksal mit immer mehr Menschen auf der Welt.

Ende 2017 waren laut den Vereinten Nationen rund 68,5 Millionen Kinder, Frauen und Männer auf der Flucht. Das waren 2,9 Millionen Menschen mehr als Ende 2016 – und es markiert einen neuen Höchststand seit Ende des Zweiten Weltkriegs. „Die Zahl der Menschen auf der Flucht ist im fünften Jahr hintereinander gestiegen“, warnt der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Er ist Chef des Hilfswerks­ UNHCR, das jedes Jahr vor dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni die neuesten verfügbaren globalen Zahlen über Vertreibung veröffentlicht.

Die Statistik spiegelt ein Zeitalter wider, in dem Gewalt in vielen Ländern zur Norm geworden ist. Unterdrückung, Kriege und Konflikte zwingen die Menschen in die Flucht, viele fristen seit Jahren ein Leben fern ihrer Ursprungsregion.

Gewalt ist zur Norm geworden

Völkerrechtlich gesehen stellen die 40 Millionen Binnenflüchtlinge die größte Gruppe. Sie  überqueren nicht die Grenze ins Ausland. Es folgen insgesamt mehr als 25 Millionen Flüchtlinge, die ihre Heimatländer verlassen haben. Im Brennpunkt der Krise stehen Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. Aus diesen fünf Ländern flohen in den vergangenen Jahren die meisten Menschen. Die fünf größten Aufnahmeländer waren die Türkei, Pakistan, Uganda, Libanon und der Iran. „Wir haben es also zuallererst mit einer Krise in armen Teilen der Welt zu tun“, sagt Flüchtlingskommissar Grandi. Unter den zehn größten Aufnahmeländern befindet sich mit Deutschland nur ein europäischer Staat.

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