Washington / Peter De Thier

Nachdem US-Präsident Donald Trump den früheren FBI-Direktor James Comey entließ und sich das Personalkarussell im Weißen Haus immer schneller drehte, äußerten politische Experten Sorge: Sie warnten davor, dass die ausufernden Skandale um Trump und die Enthüllungen des Sonderermittlers Robert Mueller die breite Öffentlichkeit unempfindlich machen, dass die skurrilen Abläufe rund um den Präsidenten die neue Norm sein würden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, nach etwas mehr als zwei Jahren der Trump-Präsidentschaft haben sich diese Befürchtungen bewahrheitet. Tatsachenverzerrungen und Lügen gehören zur Tagesordnung. Führende Berater des Präsidenten sind in Ungnade gefallen, mehrere von ihnen sitzen hinter Gittern. So gesehen verwundert es kaum, dass Wähler nur mit den Schultern zucken, wenn ein Mann wie Paul Manafort, der Bankbetrug und Steuerhinterziehung begangen hat und im Dienst pro-russischer Kräfte gegen US-Interessen handelte, verurteilt wird.

Die Sensation besteht höchstens in der Gnade, die der Richter walten ließ. Gefordert hatte Mueller für den Betrüger, der selbst dann noch weiter log, nachdem er überführt worden war und angeblich kooperieren wollte, bis zu 24 Jahre Gefängnis. Doch er bekam nur 47 Monate und könnte wegen guter Führung noch früher freigelassen werden. Zwar wird ein anderes Gericht in Washington demnächst eine getrennte Strafe gegen Manafort verkünden. Dennoch handelt es sich für Mueller um einen Rückschlag, der zugleich Signalwirkung haben könnte, wenn er weitere Akteure aus dem Umkreis des Präsidenten anklagen sollte.