Syrienkrieg Türkei will Schlacht um Idlib verhindern

Istanbul / Stefan Kegel 07.09.2018

Wo immer man hinzappt, die türkischen Fernsehsender sind voll von Berichten und Diskussionen über eine Stadt jenseits der Südgrenze. Unscharfe Bilder von Rauchwolken in der Ferne und verwackelte Straßenszenen künden von der Krise, die über die Türkei hereinbrechen könnte. Und sie wird auch Deutschland nicht kalt lassen.

Die Schlacht um das syrische Idlib hat längst begonnen. Auch wenn heute in Teheran der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen letzten Anlauf unternehmen wird, sie zu stoppen. Dort berät er mit  Amtskollegen aus Russland und dem Iran über den weiteren Vormarsch der syrischen Armee, die mit Unterstützung Moskaus und iranisch kontrollierter Gruppen Idlib zurückerobern will und bereits die umliegende Gegend unter Beschuss genommen hat. Darunter leiden werden die drei Millionen Zivilisten in der letzten verbliebenen Rebellenhochburg mit ihren geschätzt 70 000 Aufständischen.

„Das wäre eine Katastrophe“, sagt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Idlib liegt im Nordwesten Syriens, nahe der Grenze. Die Befürchtungen sind groß, dass sich erneut Hunderttausende Menschen in Richtung Türkei aufmachen. Daher bekniet man den Kreml, die Aufständischen mit anderen Mitteln zu bekämpfen und dicht besiedelte Stadtviertel vom Beschuss auszunehmen.

Zahl der Übergriffe steigt

Erdogans Hoffnung ruht darauf, dass Russland den selbst initiierten Astana-Friedensprozess nicht dadurch torpedieren will, dass es die Türkei brüskiert. „Die Lösung kann nicht darin bestehen, dass Idlib aus vier Richtungen bombardiert wird“, betont Minister Cavusoglu.

In den sieben Jahren, die der Syrien-Krieg dauert, hat die Türkei 3,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Das hat zu Unfrieden geführt. Eine Studie der International Crisis Group registrierte, dass sich die Zahl der Übergriffe gegen sie in den drei größten Städten des Landes binnen Jahresfrist verdreifacht hat.

Doch nicht nur die humanitäre Lage treibt Ankara um. „Mit den Flüchtlingen werden auch Terroristen in die Türkei kommen“, warnt Cavusoglu. Es bestehe die Gefahr, dass sie bis nach Europa gelangen.  „Auch die Vereinten Nationen, die Europäische Union und andere Organisationen müssen hier eine rege Zusammenarbeit leisten“, fordert er deshalb.

Angesichts der bisherigen Machtlosigkeit Ankaras gegenüber den beiden großen Spielern Moskau und Teheran ging Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bei seinem Besuch in der Türkei darauf bereits ein. Gemeinsam mit der Türkei wolle er einen „humanitären Zugang“ zur Versorgung der Flüchtlinge schaffen. Deutschland, das mehr als 500 000 Syrer aufgenommen hat, sei bereit, sein Engagement vor Ort zu verstärken.

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