Kommentar Kommentar zu Trumps Absage an Treffen mit Putin

G20-Gipfel in Argentinien
G20-Gipfel in Argentinien © Foto: dpa
Washington / Peter De Thier 01.12.2018

Was ist bloß aus dem kontaktfreudigen Donald Trump geworden, der historische Gipfeltreffen inszeniert und sich bei ausgewiesenen Feinden der amerikanischen Demokratie anbiedert? Die Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Russlands Präsident Wladimir Putin schlugen Wellen. Für ebenso große Aufregung sorgt nun die Tatsache, dass Trump das Treffen mit Putin beim G20- Gipfel wieder abgesagt hat. Auffallend ist auch, dass Trump  den Kontakt zu Saudi Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman meidet, den er bereits mit allen protokollarischen Ehren im Weißen Haus empfangen hatte.

Trump will bin Salman nicht konfrontieren, weil US-Waffenverkäufe im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar ihm deutlich wichtiger sind, als Riad wegen der Ermordung des Journalisten Khashoggi zur Rechenschaft zu ziehen. Komplizierter gestaltet sich das Verhältnis zu Moskau. Sicher ist, dass Trump das Gespräch mit Putin nicht wegen des Krim-Konflikts und des jüngsten Zusammenstoßes im Schwarzen Meer absagte, wie das Weiße Haus der Öffentlichkeit verkaufen will.

Die Fäden laufen in Washington zusammen: Trump ist die zentrale Figur in der Schlussphase der Recherchen von Sonderermittler Robert Mueller geworden. Irgendeinen Trumpf gegenüber dem US-Präsidenten scheint der Kreml-Chef in der Hand zu haben, ob es um Manipulationen der US-Präsidentschaftswahl oder finanzielle Verflechtungen zwischen Trump und Moskau geht. Schon in Helsinki wich Trump den wichtigsten Konfliktpunkten aus. Ausgerechnet jetzt will der Präsident um keinen Preis Putin provozieren.

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