Gipfel Trump und Kim einigen sich auf Abrüstung

Damit soll nun Schluss sein: nordkoreanischer Raketentest 2017.
Damit soll nun Schluss sein: nordkoreanischer Raketentest 2017. © Foto: YNA/dpa
Singapur / Felix Lee 12.06.2018
Jahrzehnte war ein Treffen unvorstellbar. Nun haben Kim Jong Un und Donald Trump eine Vereinbarung unterzeichnet.

Nach der ersten Unterredung mit Donald Trump ist Kim Jong Un sichtlich angespannt. Sein Lächeln wirkt bemüht. Nach dem gemeinsamen Mittagessen und einem kurzen Spaziergang auf dem Gelände des noblen „Capella-Hotels“ wirken die beiden Staatschefs schließlich sehr viel gelöster. Ein „intensiver Morgen“ liege hinter ihnen, sagt Trump, als sie für einen kurzen Moment vor die Kameras treten. „Es ist besser gelaufen, als alle erwartet hatten“, fügt er hinzu. „Spitzenklasse.“ Kim nickt ihm zustimmend zu. Und dann, beim Weitergehen, sagt der US-Präsident: „Jetzt machen wir uns auf dem Weg zur Unterzeichnung.“

Unterzeichnung? Der Handschlag zu Beginn der Gespräche, das erste Mal, dass ein US-Präsident einen nordkoreanischen Staatschef trifft – das war für rund 2500 Journalisten aus der ganzen Welt bereits Anlass genug, nach Singapur zu kommen. Doch dass sich die beiden offenbar auf eine konkrete Vereinbarung einigen würden, übertrifft bei den meisten die Erwartungen.

Keine zehn Minuten später findet die Unterzeichnung statt. Das Hotelmanagement hat einen großen Tisch aufgestellt, im Hintergrund US- und Nordkorea-Fahnen, die gleichen Farben: Rot, Weiß, Blau. Kim und Trump unterschreiben. „Was steht drin?“, ruft ein Journalist. „Denuklearisierung?“ Trump: „Ja, und zwar komplett.“ Und sie soll „sehr, sehr schnell beginnen“. „Die Welt wird einen großen Wandel erleben“, lässt Kim von seiner Dolmetscherin übersetzen. „Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen.“

Kritik aus dem eigenen Lager

Jahrzehntelang galt eine derartige Begegnung als undenkbar. Frühere US-Präsidenten wollten den Machthaber des international isolierten Staates nicht diplomatisch aufwerten. Als Trump im März Kims Einladung zu einem Gipfel annahm, gab es selbst im eigenen Lager heftige Kritik. Sollte es zu keinem Ergebnis kommen oder der Gipfel gar scheitern, könnte das verheerende Folgen haben, so die Warnung.

Und nun das: Ein Grundsatzabkommen, in dem sich Nordkorea verpflichtet, „auf eine vollständige Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten“. Zudem verpflichten sich die beiden Staaten, „neue Beziehungen zu schaffen“. Das Abkommen ist kein Friedensvertrag, aber immerhin ist in dem Dokument von der „Schaffung eines dauerhaften und stabilen Friedensregimes“ die Rede. Kim stimmte auch einer Rückführung der US-amerikanischen Opfer des Koreakriegs zu, die in Nordkorea seit Kriegsende 1953 begraben sind – eine Forderung, die die USA seither nicht erfüllt bekamen. Die Annäherung – ein Erfolg für den US-Präsidenten?

Noch am Vortag hatte Trump gesagt: Es zählten die ersten 60 Sekunden des Treffens. „Sehr, sehr gut, exzellente Beziehung“, sagt Trump nach der Unterzeichnung und drückt Kim zwei Mal die Hand.

Euphorie weicht Ernüchterung

Am Nachmittag stellt sich der US-Präsident im voll besetzten Pressezentrum den Fragen der Journalisten. Kim ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgereist. Die anfängliche Euphorie ist der Ernüchterung gewichen. Die Details des Dokuments sind nun bekannt. Oder besser gesagt: Die Details, die fehlen.

„Gibt es einen konkreten Zeitplan der von Nordkorea zugesagten Denuklearisierung“, fragt eine Journalistin der New York Times. Noch nicht, erklärt Trump, Kim habe ihm aber mündlich die Zerstörung von Nordkoreas „größtem Raketentestgelände“ zugesichert. Schon in der kommenden Woche wolle Außenminister Mike Pompeo nach Pjöngjang reisen und die Details aushandeln. Die Denuklearisierung brauche aber ihre Zeit, betont Trump. Er freue sich, die Sanktionen aufzuheben. Das sei der Fall, „wenn Atombomben kein Faktor mehr sind“. Er wiederum habe zugesagt, die Militärmanöver mit dem Verbündeten Südkorea stoppen zu wollen. Diese „Kriegsspiele“ seien „teuer und provokativ“. Er wolle sie daher einstellen.

Angesprochen auf Nordkoreas Menschenrechtsverletzungen, sagt Trump: Er sei zuversichtlich, dass Kim „die richtigen Dinge tun“ wolle. Er habe ihn nach Washington eingeladen. Und wenn Kim seine Versprechen nicht einhält? Der US-Präsident: „Ich glaube, er wird sich daran halten. Ich könnte mich irren. Ich könnte in sechs Monaten hier stehen und sagen: ‚Hey, ich hatte Unrecht.“ Dann scherzt Trump: „Ich weiß nicht, ob ich das zugeben werde, aber ich werde bestimmt eine Ausrede finden.“

PS-Posing nach dem Essen

Männer prahlen gern mit ihren Autos. Nach dem Essen war es Trump ein besonderes Anliegen, Kim einen Blick in seinen Wagen werfen zu lassen. Der Cadillac One wiegt neun Tonnen und soll 1,6 Millionen Dollar teuer sein.

Verwunderung erregte ein Tweet von Ivanka Trump: „Diejenigen, die sagen, dass nichts erreicht werden kann, sollten diejenigen, die es tun, nicht unterbrechen – Chinesisches Sprichwort.“ Dieses scheint in China jedoch unbekannt zu sein.

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