G7 in Quebec Trump einfangen? Trotz „Sockendiplomatie“ unmöglich

Gruppenfoto in Quebec beim Treffen der G7.
Gruppenfoto in Quebec beim Treffen der G7. © Foto: dpa
Quebec / Ellen Hasenkamp 09.06.2018
Es ist ein zähes Ringen beim Treffen der G7 in Quebec. Auch weil US-Präsident Trump mal wieder alle vor den Kopf stößt.

Diesmal also Elch-Strümpfe. Der kanadische Premier Justin Trudeau hat auch beim G7-Gipfel seine berühmte Sockendiplomatie fortgesetzt und mit dem Riesenhirsch-Motiv an den Füßen ein durchaus patriotisches Zeichen gesetzt. Eine Portion Selbstbewusstsein und ein Schuss Fröhlichkeit auf Seiten des Gastgebers konnten auch wirklich nicht schaden bei dem Treffen, das schon jetzt als einer der schwierigsten G7-Gipfel aller Zeiten gilt. Wenn es nicht womöglich sogar der letzte Gipfel dieser Art war.

Donald Trump jedenfalls tut derzeit alles, um das Format zu sprengen. Bereits im Vorfeld lieferte er sich vor allem über sein Lieblingsmedium Twitter wahre Duelle mit Kanada und Frankreich im Streit um die Einfuhrzölle. Und dann schlug er kurz vor seinem Abflug nach Kanada völlig überraschend vor, doch Russland wieder in den Kreis der großen Industriestaaten aufzunehmen. Diese hatten Russland 2014 wegen der Annexion der Krim aus ihrem Kreis ausgeschlossen. „Sie haben Russland rausgeworfen, sie sollten Russland auch wieder hineinlassen“, forderte Trump.

Der Kreml selbst winkte umgehend ab: „Wir legen den Akzent auf andere Formate“, sagte ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Und auch die vier europäischen G7-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien hielten dagegen: Keine Wiederaufnahme ohne echte Fortschritte im Ukraine- Friedensprozess, so die Botschaft. „Das war die gemeinsame Meinung“, bekräftigte Kanzlerin Angela Merkel. Damit war es quasi nebenbei auch gelungen, das neuerdings von Links- und Rechtspopulisten regierte Italien wieder einzufangen. Der frisch gewählte Ministerpräsident Giuseppe Conte – der Gipfeljunior - hatte kurz zuvor noch begeisterte Zustimmung für den US-Vorstoß getwittert. G7 nicht nur minus eins, sondern gleich minus zwei – diese Gefahr schien erstmal gebannt

Trump einzufangen erwies sich dagegen als unmöglich. Dabei scheuten die übrigen sechs die Mühe nicht. Merkel nahm den US-Präsidenten gleich nach dem Familienfoto beiseite und redete handgestoppte eineinhalb Minuten auf ihn ein. Eindringlich schlug sie sich zwischendurch mit der Hand auf die Brust, doch Trumps Miene blieb undurchdringlich. Ein offizielles Treffen mit Sitzgelegenheit und Länderflaggen war zwischen Präsident und Kanzlerin dagegen nicht geplant. Der traf sich stattdessen mit Trudeau und Emmanuel Macron. „Den Dialog am Leben halten, jetzt und für immer“, twitterte der französische Präsident anschließend, der vor dem Gipfel noch ziemlich wüste Drohungen gen Washington geschickt hatte.

Genau das, so Merkel, sei der Geist der G7. „Ich glaube insgesamt, dass wir hier trotzdem eine sehr gute, intensive Arbeitsatmosphäre haben und auch eine sehr offene Diskussionskultur, was immer G7 ausgezeichnet hat“, sagte sie..

Ob es aber wie üblich eine gemeinsame Abschlusserklärung der Teilnehmer geben wird, stand am Ende des ersten Gipfeltags immer noch nicht fest. Schon bei Trumps erstem G7-Gipfel vor einem Jahr in Italien hatte die harte US-Haltung den Unterhändlern schlaflose Nächte beschwert. Am Ende gelang es damals dann doch, ein paar Sätze zum freien Welthandel und zum Klimaschutz zu formulieren, die alle zufrieden stellten. Für die Bundesregierung markieren diese Formulierungen eine Art rote Linie: Lieber kein gemeinsames G7-Papier als eine weitere Verwässerung, so die Devise der Deutschen. „Deshalb würde ich sagen, es ist ehrlicher, die Meinungsverschiedenheiten auch zu benennen und an ihrer Überwindung weiter mitzuarbeiten, als jetzt so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre“, sagte Merkel.

Besonders belastet ist das diesjährige Treffen der großen Industriestaaten, die das Format vor mehr als 40 Jahren als Weltwirtschaftsgipfel erfanden, um den weltweiten Handel zu befördern, durch die Abschottungspolitik der USA: Die lange nur angedrohten Schutzzölle gegen Aluminium und Stahl sollen im Juli wirken. Besondern betroffen davon ist ausgerechnet Gastgeber Kanada. Trudeau muss in La Malbaie also einerseits als Tagungsleiter für Ausgleich sorgen, andererseits die Interessen seines Landes vertreten.

Vielleicht also geht ja bei der Plastiktüte noch was. Die sieben großen Industriestaaten befassen sich auch mit dem Kampf gegen die weltweite Kunststoffschwemme. Wenn es weitergeht wie bisher, so eine Studie, schwimmen in den Weltmeeren im Jahr 2050 mehr Plastikteile als Fische - nach Gewicht berechnet, wohlgemerkt. Den Schutz der Ozeane hatte Merkel schon während der deutschen G7-Präsidentschaft 2015 auf die Tagesordnung gesetzt. Auch Trudeau strebt nun bei den Gesprächen mit Blick auf den mächtigen Sankt-Lorenz-Strom Vereinbarungen zur Eindämmung der Plastikflut an. Dabei geht ein Großteil des Problems von Ländern außerhalb der G7-Gruppe aus. Und selbst bei diesem scheinbar eher unverfänglichen Thema gab es im Vorfeld Probleme mit den US-Unterhändlern, die sich gegen jegliche konkret fixierten Ziele in Sachen Vermeidung oder Recycling sperrten.

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