Syrien-Krieg Syrien-Gipfel: Angriff auf Idlib kommt

In Teheran besprach Präsident Hassan Ruhani mit seinen Amtskollegen  Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin die Lage in Syrien.
In Teheran besprach Präsident Hassan Ruhani mit seinen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin die Lage in Syrien. © Foto: Kirill Kudryavtsev/Sputnik/afp
Teheran.  / Martin Gehlen 08.09.2018

Trotz der eindringlichen Warnung der Vereinten Nationen vor einem Blutbad in Idlib haben sich die Präsidenten des Iran, der Türkei und von Russland am Freitag in Teheran nicht über die Zukunft der Rebellenenklave einigen können. In der live übertragenen Gipfelrunde beschwor der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine beiden Amtskollegen vergeblich, einem Waffenstillstand in Idlib zuzustimmen. „Das wäre ein großer Erfolg für den Gipfel und wird die Bevölkerung aufatmen lassen.“ Man könne die Entscheidung über das weitere Vorgehen nicht dem Assad-Regime überlassen, das bereits zahlreiche Massaker an der eigenen Bevölkerung verübt habe.

„Wir wollen nicht noch ein Blutbad erleben. Wir müssen eine vernünftige Lösung finden“, warb der türkische Staatschef. „Ich bitte sie, unsere Sorgen zu verstehen. Wir wollen keine weitere Tragödie in unserer Region.“ Ankara befürchtet vor allem, im Falle einer Offensive könnten hunderttausende Syrer versuchen, sich über die Grenze zu retten. Die Türkei beherbergt bereits rund 3,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland.

Dagegen erklärten Wladimir Putin und Hassan Ruhani einen Angriff auf die Nordprovinz für unausweichlich. Man wolle keinen Feldzug der verbrannten Erde und man wolle das Leben unschuldiger Zivilisten nach Möglichkeit schonen, sagte Ruhani. Doch der Kampf gegen die Terroristen sei nötig, wenn man in Syrien Frieden und Stabilität wiederherstellen wolle. Die Zahl der Aufständischen wird auf 70 000 geschätzt, die bisher stärkste Konzentration an Bewaffneten in einer Rebellenregion. 60 Prozent des Idlib-Gebietes wird von der Dschihadisten-Allianz Hayat Tahrir Sham (HTS) beherrscht. Sie steht der Ideologie von Al Kaida nahe und lehnt jede Verhandlungen ab. Die moderateren Rebellen, die sich zu einer „Nationalen Befreiungsfront“ (NLF) zusammengeschlossen haben, betrachten die Türkei als ihre Schutzmacht.

Putin unterstrich, das syrische Regime habe jedes Recht, Idlib wieder unter seine Kontrolle zu bringen. „Wir müssen den Terrorismus ausrotten, und wir sollten das gemeinsam tun“, sagte der Kreml-Chef und versicherte, zivile Opfer sollten dabei so gut es geht vermieden werden. Die moderateren Rebellen forderte er auf, ihre Waffen niederzulegen.

Er kündigte an, der nächste Dreiergipfel werde in Russland stattfinden. Dort solle dann „so schnell wie möglich“ der politische Übergangsprozess für die Nachkriegszeit eingeleitet werden. An seine beiden Amtskollegen aus dem Iran und aus der Türkei appellierte Putin, sich zu Syrien künftig enger mit Russland abzustimmen.

Die Armee von Bashar al-Assad bereitet seit Wochen einen Sturmangriff auf die Nordregion an der Grenze zur Türkei vor, in der mehr als drei Millionen Menschen leben, die Hälfte davon sind Flüchtlinge aus anderen Teilen des Bürgerkriegslandes. Nach Angaben der Regime-Zeitung „Al Watan“ soll die Offensive bereits unmittelbar nach dem Teheraner Gipfel beginnen.

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