Caracas / Tobias Käufer Sabotage oder Folge maroder Turbinen? In Venezuela wird ein Stromausfall zum Politikum.

Für Diosdado Cabello ist die Schuldfrage schon geklärt. Er wünsche keinem Land der Welt eine solche Opposition, sagte die Nummer zwei der Sozialisten am Wochenende, nachdem wenigstens ein Teil der Elektrizitätsversorgung in Venezuela wiederhergestellt war.

Zuvor hatte ein gigantischer Blackout weite Teile des Landes in eine finstere Steinzeitlandschaft verwandelt. Aus den Krankenhäusern wurden dramatische Bilder übermittelt: In den Operationssälen gibt es keinen Strom, mehr als 15 Patienten sollen an den direkten oder indirekten Folgen des Strommangels gestorben sein. Ärzte hielten die Szenen mit ihren Mobiltelefonen fest. In vielen Städten gab es kein fließendes Wasser, in den Kühlschränken vergammelte das Fleisch.

Cabello und Venezuelas Präsident Nicolas Maduro machen die Opposition um Parlamentspräsident Juan Guaidó für den Stromausfall verantwortlich, allerdings ohne Beweise vorzulegen. Für die Opposition sind fehlende Investitionen in die marode Infrastruktur und Korruption die Ursachen. In einem für die Stromversorgung maßgeblich verantwortlichen Wasserkraftwerk soll eine Turbine geborsten sein. Das spricht eher für mangelhafte Wartung.

Seit Wochen liefert sich Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf mit dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro - jetzt hat der selbst ernannte ...

Sternmarsch auf Caracas

Seit Jahren wird das Land immer wieder von massiven Blackouts heimgesucht; die Regierung beschuldigt die USA und das Nachbarland Kolumbien, einen „Stromkrieg“ gegen Venezuela zu führen. Die Opposition soll mitverantwortlich sein. Die wiederum verweist auf ähnliche Probleme in anderen Bereichen der täglichen Versorgung wie dem Gesundheitswesen oder der Nahrungsmittelproduktion. Unterstützt wird sie von einigen Gewerkschaften, deren Mitglieder seit Jahren auf die Probleme hinweisen, aber ungehört blieben.

Der Blackout überschattete auch den für das Wochenende geplanten Massenprotest der Opposition um Parlamentspräsident Juan Guaidó. Er kündigte eine Reise durch die Regionen des Landes an und will dort die Menschen für einen Sternmarsch auf Caracas mobilisieren. Guaidó ging auch auf eine militärische Intervention ein. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, rief der Oppositionsführer in Anspielung auf ein Zitat von US-Präsident Donald Trump, der einen US-Militäreinsatz in Venezuela wiederholt nicht ausgeschlossen hatte. Maduro versprach, das Land gegen alle Angriffe von außen verteidigen zu wollen.

In dieser Gemengelage kommt einem zu Wochenbeginn erwarteten Besuch der UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet besondere Bedeutung zu. Die ehemalige chilenische Präsidentin hatte den Besuch immer wieder aufgeschoben. Bestätigt sie die schweren Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und die paramilitärischen Banden, dürfte das die Position der Opposition stärken. Insbesondere die Frage nach den politischen Gefangenen ist eine Schlüsselfrage.

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