Syrien Russland verbreitet Endkampfstimmung

Moskau / Stefan Scholl 11.09.2018

Der Krieg in Syrien droht zu eskalieren – und mit ihm die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen. Moskau antwortet auf amerikanische Warnungen, man werde im Falle neuer Giftgasangriffe durch die syrischen Regierungstruppen militärisch eingreifen, jetzt mit massiver Gegenpropaganda. „Die USA verbrennen Syrien mit Napalm“, titelte ein nationalistisches Internet-Portal. „Und droht mit einem Militärschlag gegen Russland.“

Führende Köpfe in Russland behaupten seit Wochen, die Islamisten in Idlib bereiteten Provokationen mit chemischen Waffen vor. Das Ziel sei, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad des Genozids zu beschuldigen. Laut Armeesprecher Igor Konaschenkow warten die Extremisten in Idlib nur auf „ein bestimmtes Signal der ,ausländischen Freunde der syrischen Revolution’“, um ihren Fake-Chemieangriff zu starten. In der Region war es in der Vergangenheit wiederholt zum Einsatz chemischer Kampfstoffe gekommen. Der verheerendste Angriff traf im April 2017 Chan Schaichan. „Ärzte ohne Grenzen“ und die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigten, die mehr als 80 Todesopfer seien durch das Nervengift Sarin umgekommen. Russische Militärsprecher erklärten, ein syrischer Luftangriff habe eine Giftstofffabrik der Terroristen getroffen. Donald Trump ließ einen syrischen Militärflughafen mit Raketen beschießen.

Dieses Szenario droht sich zu wiederholen. „Die Großoffensive der syrischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten gegen Idlib wird entweder von echten oder von inszenierten Giftgasattacken begleitet werden“, sagt der russische Nahostexperte Alexander Schumilin dieser Zeitung. „Propagandistisch geht Russland auf jeden Fall auf Nummer sicher, indem es im Voraus vor Provokationen warnt.“

Auch in Russland erwartet man, dass die Schlacht um die Region Idlib besonders heftig wird. Idlib gilt als letzte Bastion der sunnitischen Rebellen gegen Assad. Westliche Beobachter warnen vor einer humanitären Katastrophe, während man in Russland den Endkampf predigt: „Das ist wie die Schlacht um Berlin“, zitiert der staatliche TV-Sender NTW den Oberst a.D. Igor Korotschenko: „Die letzte Stellung, dort wird aller organisierte Widerstand gebrochen. Dazu wollen es die Amerikaner nicht kommen lassen.“ 

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