Ostukraine Neue Spannungen nach dem Tod des Separatistenchefs

Hohn folgt auf den Mord an Rebellenschef Sachartschenko. Vor der russischen Botschaft in Kiew ist ein Foto des Ermordeten aufgestellt.
Hohn folgt auf den Mord an Rebellenschef Sachartschenko. Vor der russischen Botschaft in Kiew ist ein Foto des Ermordeten aufgestellt. © Foto: Anatolii Stepanov, afp
Kiew / Stefan Scholl 03.09.2018

Die Rebellen haben die Täter angeblich schon entlarvt. Alexander Kasakow, Berater des ermordeten Separatistenführers Alexander Sachartschenko, erklärte, das Attentat sei von ukrainischen Spezialkräften organisiert worden. Mehrere in Donezk festgenommene Ukrainer hätten schon gestanden. Am Freitag starb der Regierungschef der Donezker Rebellenrepublik DNR zusammen mit einem Leibwächter bei einer Explosion in einem Café im Stadtzentrum, elf Menschen wurden verletzt.

Auch russische Offizielle machten die Ukraine für das Attentat verantwortlich. „Die, die den Weg des Terrors, der Gewalt und der Einschüchterung gewählt haben, wollen keine friedliche, politische Lösung des Konflikts“, schrieb Präsident Wladimir Putin in einem Beileidstelegramm. Vielmehr „riskieren sie die Destabilisierung der Lage, um das Volk im Donbass in die Knie zu zwingen.“ Maria Sacharowa, Sprecherin des Moskauer Außenministeriums, verkündete, sie ginge davon aus, dass das Kiewer Regime hinter dem Anschlag stecke.

Ukrainische Politiker dagegen reagieren mit fast feierlicher Schadenfreude. „Gott sieht alles“, erklärte Julia Timoschenko, Chefin der populistischen Partei „Vaterland“. „Leute, die andere Leute töten, und unsere heilige Unabhängigkeit mit Füßen treten, erhalten einer nach dem anderen ihre Strafe.“ Eine Großzahl ihrer Kiewer Kollegen verdächtigen entweder Konkurrenten Sachartschenkos in der DNR oder russische Geheimdienste.

Alexander Sachartschenko, 42, kommandierte zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges gegen die Ukraine ein Freiwilligenbataillon. 2014 übernahm er die Führung der DNR. Ein Draufgänger mit grobem Charisma, der auch als Regierungschef oft an der Front auftauchte und noch im Februar 2015 am Bein verletzt wurde. Das kurz darauf ausgehandelte Minsker Abkommen, das eine Wiedereingliederung der Rebellengebiete in den ukrainischen Staat vorsieht, torpedierte er. „Nein“, antwortete er auf die Frage eines Reporters, ob das Donbass wieder zur Ukraine gehören werde. „Aber die Ukraine wird zum Donbass gehören.“

Allerdings erwarten auch Moskauer Experten nicht, dass sich nach Sachartschenkos Tod etwas an der festgefahrenen Verhandlungslage ändern wird. „Das Minsker Abkommen wurde die ganze Zeit über nicht eingehalten, die Ukraine will es nicht erfüllen“, erklärte der russische Kremlberater Bogdan Bespalko der Agentur Tass. Sachartschenko besaß nach Ansicht vieler Beobachter nur eingeschränkte Macht. „Er war eine dekorative Figur, die eigentlichen Entscheidungen in der DNR treffen Konsultanten aus Moskau“, sagt der Kiewer Politologe Aleksandr Solontai.

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