Kommentar Gerd Höhler zur Abstimmung in Mazedonien Mazedonien-Abstimmung bringt keine Klarheit

Autorenfoto
Autorenfoto © Foto: Fotoagentur Netzhaut
Gerd Höhler 02.10.2018

Bindend ist das Referendum über die Zukunft Mazedoniens zwar nicht. Aber da es stattgefunden hat, kann man es nicht einfach ignorieren. Das Resultat, ein überwältigendes Ja bei minimaler Wahlbeteiligung, erklärt sich zu einem Teil daraus, dass rund ein Viertel der Wahlberechtigten im Ausland lebt und nicht an der Abstimmung teilnehmen konnte. Auch sind die Wählerlisten nicht mehr aktuell. Aber viele, die wählen konnten, folgten den Boykottaufrufen der nationalistischen Opposition. Das zeigt, wie tief das kleine Land gespalten ist.

 Die Namensfrage trifft einen Nerv. Viele sehen in der Namensänderung eine Aufgabe der nationalen Identität und eine Kapitulation vor dem Nachbarn Griechenland. Auch dort ist das Thema hoch kontrovers. Eine Mehrheit der Griechen fürchtet Ansprüche der „Skopianer“, wie sie die Nachbarn nach ihrer Hauptstadt etwas abschätzig nennen, auf die gleichnamige nordgriechische Region Mazedonien und ihr historisches Erbe.

Vor diesem Hintergrund kommt es dem griechischen Premier Tsipras zupass, dass die Mazedonienfrage mit diesem Referendum zunächst einmal vertagt wird. Denn sie gefährdet den Bestand seiner Koalition. Sorglos sein kann Tsipras aber nicht. Denn mit der Volksabstimmung haben die Bemühungen um eine Integration Mazedoniens und eine Stabilisierung des konfliktgeladenen westlichen Balkans einen schweren Rückschlag erlitten. Der Nato-Beitritt Mazedoniens verzögert sich weiter. Russland könnte das nutzen, um seinen bedrohten Einfluss in der Region wieder geltend zu machen. Neue Turbulenzen in  Südosteuropa sind das letzte, was Griechenland jetzt auf seinem Weg aus der Krise braucht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel