Paris / Peter Heusch  Uhr
Die „Gelbwesten“ haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erstmals zum Kurswechsel bewegt. Er riskiert damit viel.

Ob Sozialisten oder Konservative, Gewerkschaften oder Eisenbahner – alle haben sie sich an Macron die Zähne ausgebissen. Eineinhalb Jahre lang regierte Frankreichs Präsident ungerührt über alle Widerstände hinweg. Doch nun ist es ausgerechnet den „Gelbwesten“, einer spontanen, schlecht organisierten Protestbewegung gelungen, ihr Staatsoberhaupt in die Schranken zu weisen.

Nach Krawallen und Massenprotesten der „Gelbwesten“ setzt die französische Regierung geplante Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel für sechs Monate aus.

Das Aussetzen der geplanten Steuererhöhung ist für Macron eine herbe Schlappe. Zum ersten Mal ist er eingeknickt, ja er hat sich dem Druck der Straße gebeugt – genau das, was er seinen Vorgängern immer wieder vorwarf.

 Macron weiß, dass er damit nicht nur einen riskanten Präzedenzfall schafft, sondern auch zu seiner eigenen Entzauberung beiträgt. Aber eine Wahl hatte er nicht. Verhandlungen mit den „Gelbwesten“ sind unmöglich, weil es keine Ansprechpartner gibt. Vor allem aber muss der Präsident das Feuer austreten, bevor es zum Flächenbrand wird. Das Risiko, dass sich aus allen Himmelsrichtungen die mit seiner Reformpolitik Unzufriedenen zu einer Protestfront formen, will und kann selbst Macron nicht eingehen.

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