Kommentar Martin Gehlen zu den Jemen-Friedensgesprächen Machtkalkül überwiegt

Martin Gehlen.
Martin Gehlen. © Foto: Katharina Eglau
Stockholm / Martin Gehlen 07.12.2018

Fast vier Jahre lang tobt der Krieg im Jemen. Seit der saudische Königshof jedoch Anfang Oktober den Journalisten Jamal Khashoggi bestialisch erwürgen ließ, rückt auch das „größte humanitäre Desaster der Gegenwart“, wie es die Vereinten Nationen nennen, stärker in den internationalen Fokus.

Zum ersten Mal rührten sich die USA als größter Waffenlieferant Riads und forderten ein Ende des Blutvergießens. Gleichzeitig brachte die weltweite Empörung über den Khashoggi-Mord neue Bewegung in die Diplomatie, so dass es UN-Jemenvermittler Martin Griffiths diese Woche gelang, die verfeindeten Lager unter einem Dach zu versammeln. Kleine symbolische Gesten gingen voraus, Verletzte wurden ausgeflogen, mit dem Austausch von Gefangenen begonnen. Doch ob es einen echten Friedenswillen der Konfliktparteien gibt, da sind erhebliche Zweifel angebracht.

Denn auf beiden Seiten dominieren starke Kräfte, die kein Ende des Krieges wollen und denen das Schicksal der geschundenen Bevölkerung völlig egal ist. Zu Beginn hatte Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman den Jemenfeldzug noch zum Paradefall arabischer Entschlossenheit gegen den ewigen Störenfried Iran hochstilisiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate, der engste Alliierte Riads, gehen längst eigene Wege. Das Ziel, die Houthis zu entthronen und Präsident Hadi zurück an die Macht zu bomben, hat Abu Dhabi aufgegeben. Stattdessen setzt das agile „Sparta am Golf“ auf einen eigenständigen Südjemen, den es künftig als Vasallenstaat dirigieren kann. Ähnliches Machtkalkül treibt auch die Houthis. Sie denken nicht daran, ihre Bastion Sanaa im Nordjemen zu räumen.

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