Türkei Maas

Ankara / Stefan Kegel 06.09.2018

Deutschland und die Türkei wollen ein neues Kapitel ihrer Beziehungen aufschlagen. Gut drei Wochen vor dem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland läutete Außenminister Heiko Maas (SPD) gestern in Ankara eine Normalisierung der Beziehungen ein.

Nach einem Gespräch mit Erdogan am Abend sagte Maas: „Die Türkei ist für uns mehr als ein Nachbar.“ Nicht nur wegen der dreieinhalb Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in der Bundesrepublik habe die Regierung ein strategisches Interesse daran, die gegenseitigen Beziehungen wieder zu verbessern. Über die „Irritationen“ der vergangenen Jahre habe er mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu offen gesprochen. Streit hatte es etwa über politisch motivierte Inhaftierungen von Deutschen nach dem Putschversuch, die Debatte über Auftrittsverbote für türkische Politiker in Deutschland und die Erdogans Nazi-Vorwürfe gegen die deutsche Regierung gegeben.

Die türkische Seite ist ebenfalls bestrebt, die Atmosphäre zu verbessern. Schon allein die Einladung zu einem Gespräch mit Erdogan wurde als positives Zeichen gewertet. In den Gesprächen mit dem Präsidenten und Cavusoglu habe er auch die Frage der Inhaftierungen angesprochen, sagte Maas. „Es ist kein Geheimnis, dass die Entwicklung der Türkei, insbesondere die Menschenrechtslage, uns Sorgen bereitet und unsere Beziehungen überschattet.“ Über die sieben Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind, gab es jedoch zunächst offenbar keine Annäherung. 

Einig waren sich Maas und Cavusoglu darin, die Lage in der umkämpften syrischen Stadt Idlib zu entschärfen. „Es geht darum, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“, sagte Maas zwei Tage vor der Syrien-Konferenz von Iran, Russland und der Türkei in Teheran. Ankara habe Einfluss darauf, ob die syrische Regierung die letzte Hochburg der Rebellen mit ihren drei Millionen Einwohnern gewaltsam zurückerobert.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel