Lateinamerika Krise in Venezuela überschattet Steinmeier-Reise

Wäschewaschen in einem Flüchtlingscamp von Venezolanern in Bogota.
Wäschewaschen in einem Flüchtlingscamp von Venezolanern in Bogota. © Foto: Raul Arboleda/afp
Bogota / Tobias Käufer 11.02.2019

Und plötzlich tobt der Mob in der nordecuadorianischen Provinzhauptstadt Ibarra: Die Einheimischen jagen durch die Straßen auf der Suche nach Unterkünften venezolanischer Flüchtlinge. Wo sie fündig werden, rauben sie deren Hab und Gut und werfen es auf die Straße. Wenig später geht der Besitz der völlig verängstigten Venezolaner in Flammen auf. Die Gewaltexzesse spielten sich Ende Januar ab. Anlass war der mutmaßliche Mord eines venezolanischen Migranten an einer ecuadorianischen Frau.

Die seit Jahren anhaltende Massenflucht der Venezolaner wegen der katastrophalen Versorgungslage und der staatlichen Repression bedeutet für Länder wie Kolumbien, Ecuador oder Peru eine enorme Herausforderung, mit der sie von der Internationalen Staatengemeinschaft und  Flüchtlingsorganisationen weitgehend alleine gelassen werden. Und sie ist eines der großen Themen beim am Montag beginnenden sechstägigen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kolumbien und Ecuador. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, in der inzwischen zehntausende venezolanische Migranten leben, ist ein Besuch der städtischen Anlaufstelle für Flüchtlinge geplant. In Ecuador wird das Thema die Gespräche mit Präsident Lenin Moreno bestimmen.

Wenn Steinmeier zunächst in der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena eintrifft, kommt er in ein Land, das nah dran ist am Machtkampf zwischen Venezuelas sozialistischem Machthaber Nicolás Maduro und dessen bürgerlichem Herausforderer, Interimspräsident Juan Guaido. Auch in der Grenzstadt Cucuta wird dieser Kampf ausgefochten: Es geht um humanitäre Hilfslieferungen, organisiert von der venezolanischen Opposition und blockiert von den regierenden Sozialisten. Deutschland hat Guaido inzwischen als legitimen Präsidenten Venezuelas anerkannt, bis Neuwahlen stattfinden. Das verleiht dem Besuch Steinmeiers zusätzliche Brisanz, zumal Kolumbiens rechtsgerichteter Präsident Ivan Duque einer der erbittertsten Kritiker Maduros ist.

Bedroht wird der ohnehin brüchige Friedensprozess in Kolumbien auch von einer Mordserie gegen Menschenrechtsverteidiger und Aktivisten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Indepaz“ sind allein im vergangenen Jahr 226 Menschen getötet worden. Das Morden geht auch im neuen Jahr weiter, ohne dass die Regierung eine überzeugende Strategie gegen die Gewalt vorzuweisen hat.

Offiziell steht der Besuch unter einer anderen Überschrift: Es sollen der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt und dessen Lateinamerikareise vor 220 Jahren im Mittelpunkt stehen. 

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